Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 318 (sequence 4)
- Language
- German
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318 3m deutschen Reich. Unmöglichkeit machen wird. Von den solche Anschauungen erwünschenden Feudalen, welche gegen das Lehrerbesoldungsgesetz stimmten, sagt selbst ein antisemitisches Blatt: „Sie wollen die Lehrer auf dem Lande auch für die Zukunft in Abhängigkeit von der Gutsherrschaft halten." Wenn die deutsch-soziale Neformpartei auch beständig bestrebt ist, den Konservativen Mandate abzulocken, finden sich doch beide Parteien bei Stichwahlen zumeist wieder zusammen, soweit dies die Nachwirkungen einer heftigen Wahlagitation möglich machen. Eine solche Agitation ist der Reichstagsersatzwahl in Neu-Ruppin-Ternplin Vorausgegangen. Wenn trotz der dabei von antisemitischer Seite aufgewandten Mühe und der wahrscheinlich aus agrarischen Taschen herrührenden bedeutenden Geldmittel der von der deutsch-sozialen Reformpartei aufgestellte Großdestillateur Schükerk es nur auf 2421 Stimmen brachte und nicht zur Stichwahl gelangte, so liegt das nicht an dem „Bund der Landwirthe", der für den ihm zu Liebe während der Mahlzeit zum „Ackerbürger" gemachten „Großdestillateur" das Möglichste gethan hat. Die gehässige Art der deutsch-sozialen Wahlagitation brachte es mit sich, daß die meisten Anhänger dieser Partei, welche erst den konservativen Kandidaten von Arnim in der rücksichtslosesten Weise befehdet hatte, nicht auf die Mahnung des deutschsozialen Führers Zimmermann achteten, bei der Stichwahl ihre Stimmen für den vorher so scharf bekämpften konservativen Landrath abzugeben. Der freisinnige Rittergutsbesitzer Lessing erhielt 9764 Stimmen, während es Landrath von Arnim nur auf 8048 Stimmen brachte. Biele ländliche Wähler haben sich für den ersteren entschieden, ohne sich um den Willen der Leiter deS „Bundes der Landwirthe" zu kümmern, welche auch in diesem Falle für eine antisemitische Kandidatur erhebliche Mittel aufgewandt haben, die besser für die Verbesserung der Lage der kleinen Landwirthe Verwendung hätten stnden sollen. Trotzdem wird sich dasselbe agrarisch-antisemitische Spiel im Saalkreise Halle wiederholen, wo am 30. Juni eine Reichstagswahl stattftndet; vielleicht auch bei der in dem Kreise Löwenberg am 4. Juli für den ausgeschiedenen Landrath Holleuffer stattfindenden Wahl. Weshalb der „Bund der Landwirthe" so konsequent im antisemitischen Fahrwasser bleibt, das wird den ländlichen Wühlern aus den Berichten über die Reichstagssitzung vom 5. Juni klar geworden sein. Herr von Ploetz hat in derselben zwar bestritten, bei dem jüdischen Bankhaus Jean Frankel in neuerer Zeit spekulirt zu haben, aber zugegeben, mit dem Hause Max Arnhold noch im vorigen Jahre Getreide-Termingeschäfte gemacht zu haben — wie er versicherte, nur in kleinem Maßstab und nur „der Wissenschaft wegen!"