Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 305 (sequence 6)
- Language
- German
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Aus lichteren Tagen 302 heurigen Christabend — den ich im Kreise meiner nächsten Lieben, darunter die beiden jüngsten anmuthigen Töchterchen meiner verewigten Schwester, gefeiert habe — bereicherten und verschönerten. Auch Ihre diesmalige Gabe trägt das Gepräge jener edlen Sinnigkeit und beziehungsreichen Wahl, welche mir Ihre früheren Pilgerspenden so werth und bedeutungsvoll macht. Wenn ich den freundlichen Wünschen, mit denen Sie Ihre Weihnachtsgabe begleiten, aus vollem Herzen beipflichte, so liegt wohl viel Eigennutz darin, aber doch nur jener edlere Eigennutz, dessen man sich nie ganz entschlagen kann und dessen man sich auch nicht zu schämen braucht. Möge das Jordanwasser dem theuren Wesen, auf dessen Stirne es getraust werden soll, die kostbare Gabe des Glaubens, nicht nur in überirdischen, sondern auch in irdischen Dingen und Beziehungen verleihen, die gerade dem kommenden Zeitalter doppelt noth sein dürste, und zwar eines festen unerschütterlichen Glaubens, als der verläßlichsten Stütze aus dem ringsum schwankenden Boden! Daß ein Andersgläubiger den heiligen Born geschöpft hat, wird seiner Weihekrast wohl nichts anhaben können; ich sehe vielmehr in diesem Umstande ein beruhigendes Vorzeichen. So möge sich der Glaubenstreue des Täuflings zugleich der Geist der Milde und Duldung gesellen, den wir bei den Glaubensstarken so oft vermiffen. Meine Frau, die den Werth des schönen Geschenkes ganz zu würdigen weiß, bittet mich. Ihnen auch von ihrer Seite den herzlichsten Dank auszusprechen. Indem ich Sie und die Ihrigen mit meinen besten Wünschen begleite und mich Ihrer verehrten Gemahlin achtungsvoll empfehle, in unwandelbarer Gestnnung mit den herzlichsten Grüßen Ihr treuergebener Gratz, 26 XII 58. A. Auersperg." Es sind goldene Worte, die hier einer der besten deutschen Dichter dieses Jahrhunderts ausspricht; mögen sie stark genug sein, den Lärm des Tages wenigstens für feinere Ohren zu übertäuben! Kurz darauf schrieb Grün an den Wiener Freund: