Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 304 (sequence 5)
- Language
- German
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3m deutschen Reich. 304 Zwei Jahre später schrieb Frankl an Grün: „Geehrter Freund! Meine kleinen Pilgerspenden aus Jerusalem kamen Ihnen vor 2 Jahren mit der Bitte zu, dieselben an Ihren Christbaum zu hängen. Sie erwiderten meinen Wunsch mit einer wehmüthigen Bemerkung, die nunmehr ihre Berechtigung verloren hat.*) Seit ich selbst so glücklich bin ein Kind zu besitzen, bin ich erst recht befähigt Ihnen zu sagen, welche große Lebensfreude Sie erwartet. Nehmen Sie denn wieder zum Christabend eine andere Pilgergabe freundlich an: Wasser aus dem Jordan zur Taufe Ihres Kindes, das, um Ihr Glück noch vollkommener zu machen, ein Knabe sein mag. Ich hoffe, daß die heilige Fluth nichts an weihender Kraft verloren haben wird durch den Umstand, daß sie ein Jude geschöpft hat; ist sie doch aus einem Strome, der seinen Urvätern gehörte, in ihrem heiligen Vaterlande. Sollte aber doch, wer mag es wissen, das Gewäffer verunreint sein, so ist es dagegen am h. Grabe geweiht und zum Zeichen dessen mit dem Siegel der h. Hierosolyma versehen worden. Indem ich Ihnen heiter schöne Festtage wünsche und Sie herzlich grüße, bleibe ich Ihnen Verehrungsvoll ergeben Wien, 22. Dezemb. 1858. Frankl." Grün dankte durch folgendes Schreiben: „Geehrter Freund! Empfangen Sie vor Allem meinen innigsten und wärmsten Dank für das freundliche Geschenk, mit welchem Sie meinen *) Wie man sieht, ein Gedächtnißfehler Frankl's. Er hatte sein Geschenk einer ägyptischen Götterstatue nur mit dem Wunsche begleitet, daß sie den Freund zu einer neuen Dichtung anregen möge, und dieser hatte mit der Bemerkung geantwortet, daß ihm die Erfüllung dieses Wunsches beschieden sein möge. Seither hatten sich die Freunde wohl gesprochen undes war dabei wohl eines anderen, größeren Wunsches Grün's gedacht worden: seit 1839 vermählt, sehnte er sich vergeblich nach einem Kinde. Da — nach neunzehnjähriger kinderloser Ehe — ward ihm dies Glück beschieden: seine Gattin fühlte sich Mutter!