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Im deutschen Reich · 1896-06-01 · Heft 6 (Juni 1896) · p. 303

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 6 (Juni 1896)
Article
Aus lichteren Tagen
Date
1896-06-01
Page
303 (sequence 4)
Language
German
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Aus lichteren Tagen. 303 Schweißes der Edlen" auch wirklich werth? Wo und wann, ganz abgesehen von unfern Tagen, ist sie, wenn ihr Bild makellos in der Geschichte auftanchte, auch auf die Dauer rein und unentweiht geblieben? Soll das Streben gut und weise zu werden uns nicht viel näher liegen, als das frei zu sein, und sind wir, wenn wir erst jenes geworden, nicht zugleich auch dieses? In diesem Sinne dünken mich die Absichten der großen Geistesheroen, deren kleine Epigonen wir sind, viel richtiger gefaßt, als die unsrigen; jene wollten erst die Basis legen, aus welcher die Pyramide dann wie von selbst emporsteigen sollte. Waren wir nickt über das Vorhandensein jener Elemente wahrer Freiheit in unserem Volke in arger Täuschung befangen, bis das I. 1848 uns die Augen darüber öffnete, daß die leuchtende Spitze mit dem Göttcrbilde uns verblendet und daß Fundament und Sockel aus haltlosem bröckligem und unsolidem Materiale bestanden habe? Es fehlte die Grundlage, der granitne Quadernbau, Güte und Weisheit, aus denen Maß und Duldung sich von selbst ergeben. Doch ich gerathe hier auf ein schwieriges und zu weites Gebiet, als daß ein schmächtiges Brieflein ohne Gefahr nur seine flüchtigsten Umrisse in sich ausnehmen könnte, und nur die Zuversicht, von Ihnen nicht mißverstanden zu werden, läßt das bereits meiner Feder Entschlüpfte auf dem Blatte fortbestehen, das unausgeführt, wie es ist, leicht irrig gedeutet werden kann. Meine Frau dankt mit mir auf's Herzlichste für die edlen Pilgerspenden, die Sie ihr zugedacht. Die Blumen schmücken bereits ihr Album, Schmuckträger und Rosenkranz ihren Schreibtisch. Auch die mir zugefallenen Stücke sind Ihrer Bestimmung nach verwendet. Möchte sich der Wunsch erfüllen, den Sie an die grüne egyptische Gottheit knüpften. Nochmals herzlichen Gruß und Dank von Ihrem treu ergebenen A. Auersperg." Wir sind überzeugt, daß die ebenso schönen, als tiefsinnigen Gedanken, die der Dichter hier entwickelt, auch bei unseren Lesern vor Mißdeutung sicher sind. Welche Zeit vermöchte auch ihre Wahrheit besser zu erfaffen und zu würdigen, als die unsrige?!

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