Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 302 (sequence 3)
- Language
- German
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302 Im deutschen Reich. heurigen Christbaum so sinnvoll ausgeschmückt haben, sind mir gestern glücklich zugekommen; und indem ich Ihnen meinen herzlichsten Dank abzustatten eile, möchte ich zugleich die ganze Innigkeit und Rührung, welche mich bei dem Anblicke Ihrer bedeutungsvollen Gaben überkam, auch in meine Worte legen können! Nicht nur, daß diese mit so sinniger Wahl zusammengestellten Gegenstände durch ihren Zusammenhang mit einer großen Vergangenheit, durch den Anhauch der Geschichte geweiht sind, macht sie mir so lieb und werth, aber auch und vor allem drang mir zu Herzen die Bedeutung, welche sie für mich in der Gegenwart besitzen: sie sind ja Zeichen jener seltenen und uns allen doch so nothwendigen Liebe, welche uns erfrischt und aufrichtet, wenn wir uns entmuthigt und gebeugt fühlen, und uns wieder Vertrauen und Richtung gibt, wenn wir an uns selbst irre werden wollen. Ihre Sendung, welche mich in solcher Stimmung fand, brachte so Nahrung dafür und doch auch Balsam zugleich. Diese Symbole einer großen Vergangenheit und noch größeren Vergänglichkeit trafen ja in einem Augenblicke ein, als meine Seele noch voll war von dem schweren Verluste, den wir durch den Tod unseres Hammer-Purgstall erlitten, und von all den Empfindungen und Wahrnehmungen, die sich an den Hingang dieses großen Todten knüpfen. Wen sollten da nicht Zweifel und Wehmuth bewältigen?! Sie .haben ihm ein wahres und schönes Wort in die Grube nachgernfen*) und wer ihn geliebt und geehrt hat im Leben, muß Ihnen dafür danken und sich auch bei diesem Anlässe an der seltenen und ausdauernden Pietät auferbauen, mit der Sie unsere edlen Verklärten geleiten, so weit unser Auge und Herz ihnen zu folgen vermag. Es ist vielleicht eine Äußerung eben jenes Irrewerdens an sich selbst und seinen Bestrebungen, wenn ich Ihrer sonst sehr richtigen Bemerkung, daß „die Freiheit nicht umsonst zu haben ist" die Frage zur Seite stelle: „und ist die Freiheit, wie wir selbst sie gesehn und kennen gelernt, wohl der großen Opfer, Arbeiten, Anstrengungen, die sie fordert, kurz „des *) Der Orientalist Josef von Hammer-Purgstall, mit dem Grün auf's Innigste befreundet war, war damals eben gestorben. Frankl schrieb ein Gedicht: „Hammer-Purgstall'ä Beerdigung", auf das Grün hier anspielt.