Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 287 (sequence 3)
- Language
- German
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vereinsnachrichten. 287 Vereinsmitgliedes sich die Zahl der Mitglieder neuerdings um etwa 100 vermehrt habe, solle im Herbst eine besondere Vereinsversammlung stattfinden. Daß dort jetzt die verschiedenen religiösen Richtungen folgenden beiden Rabbinen auf dem Boden des Central-Vereins einträchtig Zusammenwirken, sei für das Wesen des letzteren gewiß kennzeichnend und ehrenvoll! Der Herr Vorsitzende erwähnte dann den Anklang, welchen die Vereinszeitschrist bisher gefunden, ferner als einen Beweis des freundschaftlichen Verhältnisses zu dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" den Ankauf zahlreicher Exemplare einer Schrift des Herrn Archivar Ur. Winter und den Beitritt des Eentral-Vereins zu dem „Verein für jüdische Geschichte und Literatur," welcher letzterer dadurch verdienstlich wirke, daß er Kenntnisse verbreite, welche den Juden als Rüstzeug int Kampfe wider den Antisemitismus dienen. Wohl gerüstet und festgeeint müßten aber die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens in einer Zeit sein, in welcher der offenbar gegen sie gerichtete „Assessoren-Paragraph" nur mit knapper Mehrheit und vorläufig nur im Abgeordnetenhause abgelehnt und in welcher an hervorragender Stelle betont worden sei, das; das vielfach ersehnte Volksschulgesetz die Volksschule nur auf christlich - konfessionelle Basis stellen könne. Hoffentlich werde das .üaiserwort „Politische Pastoren sind ein Unding" nach mancher Richtung eine heilsame Wirkung haben; immerhin sei die-Zeit eine ernste, der Himmel sei uns mit dichten Wolken verhüllt, ein fester Zusammenschluß nöthig, der erst dann rechte Erfolge erzielen könne, wenn man im Central-Verein allgemein die Vertretung der Gesammtheit aller deutschen Juden erkenne. Der Redner erklärte dann noch kurz, daß der Vorstand dem vielbesprochenen Zwischenfalle im Realgymnasium zu Erfurt rechtzeitig volle Aufmerksamkeit geschenkt habe, aber von allen anfangs geplanten Schritten habe Abstand nehmen müssen, nachdem sich die Unrichtigkeit der ersten Zeitungsberichte herausgestellt und der zunächst Betroffene den dringenden Wunsch kundgegeben habe, diese Sache auf sich beruhen zu lassen. — Sodann knüpfte Herr Dr. Stern an die in dem kaiserlichen Telegramme enthaltene Verurtheilung der „Selbstüberhebung und Unduldsamkeit" den Ausdruck der Hoffnung, daß die ministerielle Aeußerung über das Volksschulgesetz ohne schwere Jolgen für die jüdischen Lehrkräfte bleiben werde. Der Redner bezeichnete hierauf als die größten Schädigungen für das Judenthum sowohl den sich im Mainzer „ZSraelit" kundgebenden jüdischen „Ultramontanismus", als auch den anderwärts zur Erscheinung gelangenden „Jndifferentismus", gegen welchen der Eentral-Verein mit erfreulichem Erfolge ankämpfe (Bei-