Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 286 (sequence 2)
- Language
- German
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280 Im deutschen Reich. licher Weise beginne sich jetzt auch das Interesse für die Vereinssache in Süddeutschland zu regen, wo dieselbe trotz der dortigen lebhaften Anteilnahme an allen jüdischen Angelegenheiten anfangs sehr lau behandelt worden sei. In den letzten Wochen seien dank insbesondere der unermüdlichen Werbethätigkeit eines Mitgliedes in der Stadt Bamberg allein über 120 Mitglieder gewonnen worden. Die sich jetzt in Süd- und Westdeutschland kundgebende Sympathie müsse besonders hoch geschätzt werden, weil der Central-Verein wiederholt von dem Mainzer Blatt „Israelit" in nicht zu qualisizirender Weise angegriffen wurde und die betreffenden Artikel dann noch als Sonderabzug in einer Flugschrift verbreitet worden seien. In jenen Artikeln habe das Blatt, welches doch dem jüdischen Interesse zu dienen beabsichtige, den Muth zu dem unglaublichen Vorwürfe gefunden, der Central- Verein wolle die Juden von den Deutschen absondern. Der „Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" sei doch seinem Namen und seiner Wirksamkeit nach durch und durch deutsch und vereinige die Juden nur zu dem Zweck, sie selbst ihre Stellung als Deutsche vertheidigen zu lassen. Wie gerade der „Israelit" zu einer gegentheiligen Annahme komme, sei räthselhaft; das Pamphlet scheine von Jemand auszugehen, welcher in der Existenz des Central- Vereins eine Schädigung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus befürchte, was von einer gänzlichen Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse zeuge. Bekanntlich haben die Leiter' des Central-Vereins niemals die Verdienste derjenigen Männer verkannt, welche sich zuerst mit der Abwehr beschäftigten; sie zollten besonders hoheAchtung dem Andenken Gneist's, der noch kurz vor seinem Tode seiner Sympathie für die Bestrebungen des Eentral-Vereins und für die Art, in welcher die Verwirklichung derselben betrieben werde, schriftlichen Ausdruck verliehen habe. Von den 6000 Einzelmitgliedern des Central-Vereins würden sich aber sicher mindestens 5500 niemals um die dringend nöthige Abwehr gekümmert haben, wenn sie nicht der Central-Verein veranlaßt hätte, „als Juden" sich selbst zur Vertheidigung ihrer staatsbürgerlichen Rechte zusammenzurhun! (Lebhafter Beifall.) Der erst in diesen Tagen erfolgte Beitritt des ersten Vorstehers der Israelitischen Gemeinde zu Mainz, Herrn Rechtsanwalts Dr. F. Ph. Mayer, sei als die beste Antwort auf den Angriff des Mainzer Blattes anzusehen. In Frankfurt a. M., wo die Zahl der Vereinsmitglieder bereits eine sehr ansehnliche Höhe erreichte, hofft der Vorstand des Central-Vereins den maßgebenden Persönlichkeiten baldigst über seine Bestrebungen mündliche Aufklärungen geben zu können. In Posen, wo durch die besondere Rührigkeit eines einzigen