Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 279 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 279 und daran den Wunsch knüpfend, daß die werkthätige Lsebe, insbesondere die Hingabe an die Zwecke der Erziehung, sich in der hiesigen Gemeinde stets bewähren möge. Ein Rundgang durch das Anstaltsgebäude überzeugte alle Teilnehmer der Feier von der Trefflichkeit der gesummten Anlage. Bei der Stadtverordnetenersatzwahl in der dritten Abtheilung des 39. Berliner Gemeindewahlbezirks brachte es der Kandidat der sogenannten Bürgerpartei, der Redakteur der antisemitischen „Staatsbürger-Zeitung" I)r. Bachler, nur aus 263 Stimmen. Der Gegenkandidat, Direktor Dr. Gerstenberg, wurde mit 642 Stimmen gewählt. Professor Heinrich von Treitschke, der kürzlich einem Nierenleiden erlag, hat durch seine blendende Beredsamkeit ans die „Judenfrage" einen so unheilvollen Einfluß ausgeübt, daß sich rvohl gegen ihn vorzugsweise das Wort des Kaisers Friedrich richtete: „Was sein Gefühl am meisten verletze, sei die Hineintragung dieser Tendenzen in die Schule und die Hörsäle; in die Pflanzstätten des Edlen r^d Guten sei dieses böse Samenkorn hineingeworfen worden. Hoffentlich werde es nicht zur Reife gelangen. Er vermöge es nicht zu fassen, wie Männer, die auf geistiger Höhe stehen oder ihrem Berufe nach stehen sollten, sich hier zu Trägern und Hülfsmitteln einer in ihren Voraussetzungen und Zielen gleichmäßig verwerflichen Bewegung hergeben könnten." Treitschke, von welchem die Aeußerung herrührt: „Die Juden sind unser Unglück", schrieb freilich auch: „Von einer Zurücknahme oder auch nur Schmälerung der vollzogenen Emanzipation kann unter Verständigen keine Rede sein: sie wäre ein offenbares Unrecht, ein Abfall von den guten Traditionen unseres Staates und würde den nationalen Gegensatz, der uns peinigt, eher verschärfen als mildern." Diese Worte, sowie manche neuere Abschwächung seiner judenfeindlichen Aeußerungen ändern aber an der Thatsache nichts, daß der hochbegabte Universitätslehrer den Antisemitismus wesentlich gefördert hat. Er stand den Juden so vorurtheilsvoll gegenüber, wie seinem engeren Vaterlande Sachsen und beeinträchtigte dadurch seinen eigenen Ruhm. deicht die Juden, sondern seine ungerechten Urtheile über dieselben — waren sein Unglück! Vor der Majestät des Todes verstumme aber auch das berechtigte Wort des Vorwurss; der Dahingeschiedene ruhe sanft! In der „Deutschen Evang. >Urchenztg." ertheilt der Hofprediger a.D. Adolf Stöcker eine Antwort auf das Telegramm des Kaisers, obgleich er dabei erklärt, die Ehrerbietung hindere ihn, mit Sr. Majestät über die geäußerten Worte zu diskutiren. Seine Erwiderung schließt mit den Worten: