Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 278 (sequence 1)
- Language
- German
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278 Korrespondenzen. * Berlin, 20. Mai. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium benachrichtigte den Vorstand der Jüdischen Gemeinde, daß an dem neu ein geführten R e l i g i o n s u n t e r r i ch t am Wilhelms-Gymnasium 177 Schüler theilnehmen. Es muffe deshalb außer den bestehenden drei. Abtheilungen noch eine vierte gebildet werden. Der Vorstand des Krankenhauses der hiesigen jüdischen Gemeinde hat in einem vom Steuerfiskus angestrengten Prozesse in allen Instanzen obgesiegt. Der Fiskus verlangte, daß das Krankenhaus für eine ihm zugefallene Stiftung, aus welcher armen Kranken Geldunterstützungen gewährt werden, Erbschaftssteuer zahlen sollte. Bekanntlich steht nicht jeder Zuwendung an eine milde Stiftung Steuerfreiheit zu, sondern nur einer solchen Zuwendung, deren Zweck sich mit dern der milden Stiftung deckt. Ter Fiskus bestritt nun, das; die Zuwendung von baaren Unterstützungen an Arme zur Krankenbehandlung zu den Zwecken des Krankenhauses gehöre. Das Reichsgericht fällte aber ein dem jüdischen Krankenhause günstiges Urtheil. Das „Üehrlingsheim" in Pankow, Mühlenstraße 20, wurde am 17. d. M. feierlich eingeweiht. Nach einem Gesänge der Zöglinge des Heims begrüßte der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Stadtrath Dr. Weigert, die überaus zahlreiche Versammlung in einer Ansprache, welche der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß das „Lehrlingsheinr" „wohlbegründet sei, an der rechten Stelle stehe und sich als vollkommen ausgeführt erweisen werde". Ter Redner schloß mit einer Ermahnung an diejenigen Lehrlinge, welche in dem Heim Wohnung, Kleidung, Nahrung, Erholung und Beaufsichtigung erhalten. In der sich anschließenden Weiherede betonte Herr Rabbiner Dr. May bäum, daß die soziale Frage sich durch soziale Verbesserungen allein nicht lösen lasse, weil sie auch eine Frage der Religion und Sittlichkeit sei. Die Devise der Gewerbe-Ausstellung //Selbstlos und treu" solle auch diejenige des Lehrlingsheims sein und die Zöglinge das Handwerk schätzen lehren. Die Rede gipfelte in der mit dem letzten Vers des u0. Psalms erfolgenden Weihe und schloß in ergreifender Weise mit Segensworten. Fm Namen des Vorstands der jüdischen Gemeinde drückte dann Herr Justizrath Meyer Allen, welche das „Lehrlingsheim" gefördert, herzlichsten Tank aus, den hohen Werth der Privatwohlthätigkeit würdigend