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Im deutschen Reich · 1896-05-01 · Heft 5 (Mai 1896) · p. 274

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 5 (Mai 1896)
Article
Umschau
Date
1896-05-01
Page
274 (sequence 8)
Language
German
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274 Im deutschen Reich. Wacht" wohl bekannt sein, daß der zum Unterschiede von dem Privatdozenten Dr. Richard Koppel in Dresden oft als Loxps1-Hsrms.m<rus bezeichnete Dramaturg vor der Uebernahme seines jetzigen Amtes als Feuilletonist der Redaktion der antisemitischen „Dresdener Nachrichten" angehörte. Bei der Meldung, daß jüngst der Verlagsbuchhändler Naumburger in Dresden wegen Betruges und Erpressung zu 1 Jahr 2 Wochen Gefängniß, 3000 Mk. Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust verurtheilt worden, suchten der „Badische Volksbote" und andere Blätter dieses Schlages durch ein Ausrufungszeichen hinter dem Namen „Naumburger" (!) bei ihren Lesern den Glauben zu erwecken, Naumburger sei ein Jude. Sollte den betreffenden Redaktionen wirklich die Thatsache unbekannt sein, daß der jetzt verurtheilte Begründer des „Vaterländischen Buchverlages" im Verlaufe der Vertheidigung ausgerufen hat: „Ich hätte noch mehr verdient, aber die antisemitischen Zeitungen haben vor mir gewarnt, weil sie mich wegen meines Namens für einen Juden hielten, dann waren die Militärvereine für mein Werk kein Absatzgebiet mehr!" Einige antisemitische Blätter verbreiteten vor Kurzem die Behauptung, in der Leimsiederei des Juden Alois Löw in Königsberg bei Eger in Böhmen seien zur Bereitung von Margarinebutter Menschen- und Thierknochen entfettet worden. Auf Grund einer von der „Aktiengesellschaft für chemische Produkte" in Landsberg abgegebenen Erklärung waren aber bald darauf dieselben Blätter zu der Berichtigung gezwungen, daß in der jener Gesellschaft und längst nicht mehr dem „Juden Löw" gehörigen Fabrik vielleicht einmal auch menschliche Knochen zur Verwendung gekommen seien, daß die aus den Knochen gewonnenen Produkte aber entweder zur Verseifung und zur Stearinkerzenfabrikation oder zu Appreturzwecken dienen. Davon, daß derartige Knochenprodukte in der Form von Kunstfett rc. zur menschlichen Nahrung verwendet werden, könne gar keine Rede sein. (S. unter Korrespondenzen: Hof i. B.) Die „Staatsbürger Zeitung" hat trotzdem die Schauermähr von der „Margarine aus Menschenknochen" am 20. Mai noch reproduzirt. Die „Leimsiederei" konnte sie sich doch nicht entgehen lassen! Ebenso bezeichnend für die Gewohnheiten gewisser Blätter war deren Berichterstattung über die auch in der Berufungsinstanz erfolgte Freisprechung des Redakteurs der antisemitischen „Hannöv. Post" von der Anklage des groben Unfugs. Jene Blätter betonten, daß diese Anklage einen Fall ekelhafter Fleischbesudelung durch Juden zur Vorgeschichte gehabt habe, verschwiegen aber weislich, daß die Beweisaufnahme keineswegs den Nachweis solchen Falles erbrachte, daß viel-

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