Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 273 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 273 sinnigen Abgeordneten Alexander Meyer gegenüber stellt. Daß die deutsche Volksvertretung durch Vermehrung der Zahl der antisemitischen Abgeordneten kaum ckn Autorität und Sympathie in den weitesten Kreisen gewinnen würde, ist zweifellos. Der Ton, den dieselben in die Verhandlungen hineintragen, erinnert bereits bedenklich an denjenigen, welcher im österreichischen Reichsrath sich geltend macht. Als «in Pröbchen dieser feinen und geistvollen Art des Debattirens fiel die Bemerkung des streitbaren Vertreters des Eschweger Kreises, Pastor Jskraut, in der Reichstagssitzung vom 5. Mai auf: „Ich soll nach dem Abg. Wurm wie Kraut und Rüben durcheinander gesprochen haben. Kraut und Rüben geben ein schönes Gericht, ich werde mich aber sehr hüten, beschnittene und unbeschnittene Würmer hineinzumischen." Solche naturgeschichtlichen Studien Jskraut's beweisen, daß es hohe Zeit war, von maßgebender Stelle aus die „politischen Pastoren" als Unding" zu bezeichnen! Während die Immunität des Parlaments den antisemitischen Abgeordneten die Möglichkeit gewährt, ohne jede Scheu ihrer liebenswürdigen Laune den Zügel schießen zu lassen, ist die antisemitische Presse neuerdings vorsichtig geworden, weil selbst das im günstigsten Falle der Freisprechung nachfolgende „Siegesfest der Getreuen" nur den Gastwirth erfreut, den verantwortlichen Redakteuren aber keinen vollgültigen Ersatz für die Verdrießlichkeit der auf der Anklagebank zugebrachten Stunden bietet. Das Bewußtsein steter Ueberwachung veranlaßt einen großen Theil der antisemitischen Blätter, in Langweiligkeit zu verfallen und das zehn Mal bereits Gesagte wiederzukauen, oder einen Ton anzuschlagen, welcher so niedrig ist, daß er nur bei ganz urtheilslosen, ungebildeten Lesern wiederklingen kann. Die „Staatsbürger-Zeitung", zu deren Gepflogenheiten es gehört, alle möglichen Uebelthäter mit halbwegs jüdisch klingenden Namen ohne Weiteres den Juden an die Rockschöße zu hängen, hat neuerdings damit wieder etwas Bemerkenswerthes geleistet. Den wegen abscheulichen Sittlichkeitsverbrechens verurtheilten Kommerzienrath Falk in Nürnberg stempelte fie kürzlich zum Juden, trotzdem, wie wir bereits im Märzheft dieser Zeitschrift berichteten, dieser Inhaber der bekannten Firma „I. W. Späth" einer alten evangelischen Familie entstammt und sich stets zu den wenigen Konservativen der Stadt Nürnberg hielt. In ähnlicher Weise hat eine ganze Reihe anderer antisemitischer Blätter den Jntendanzrath der Kgl. Sachs. Hoftheater, Dr. Franz Koppel-Ellfeld, ohne Weiteres zum Juden gemacht, nachdem ihn die „Berliner Neuesten Nachrichten" eines Plagiats beschuldigt hatten. Dabei mußte es wenigstens der Dresdener „Deutschen