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Im deutschen Reich · 1896-05-01 · Heft 5 (Mai 1896) · p. 270

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 5 (Mai 1896)
Article
Umschau
Date
1896-05-01
Page
270 (sequence 4)
Language
German
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270 Im deutschen Reich. „sozial", christlich-sozial ist Unsinn und führt zu Selbstüberhebung utib Unduldsamkeit, beides dem Christenthum zuwiderlaufend. Die Herren Pastoren sollen sich um die Seelen ihrer Gemeinden kümmern, die Nächstenliebe pflegen, aber die Politik aus dem Spiele lassen, dieweil sie das gar nichts angeht. Wilhelm, I. R. Immerhin wird es noch einiger Zeit bedürfen, ehe die Spuren Stöckers verwischt, ehe die Strömung, welche er und seine Nachbeter veranlaßten, überwunden sein wird. Das Stöcker'sche „Volk"', der „Reichsbote" des Herrn Pastor Engel und die „Kreuzzeitung" haben sich beeilt, dem für sie verhängnißvollen Kaiserwort gegenüber, auf die Berechtigung der Pastoren hinzuweisen, sich für die Ereignisse im irdischen Vaterland zu interessiren. Die „Kreuzzeitung" schreibt: „Es hat Zeiten gegeben, wo die mindestens indirekte Mitwirkung der Geistlichen an der politischen Bewegung im Interesse des Staats, der Monarchie und des Chriftenthums nicht nur erwünscht, sondern auch von Erfolg begleitet gewesen ist. Ist die Wiederkehr solcher Zeiten so bestimmt nicht mehr zu befürchten?" Es scheint, daß das Telegramm in diesen Kreisen absichtlich oder unabsichtlich mißverstanden wird; selbst die „Germania" scheint in dem Jrrthum befangen, als ob dasselbe selbst eine patriotische Wirksamkeit der Geistlichen als unberechtigt darstellen wolle. Die Kundgebung dürfte sich nur gegen einzelne Geistliche richten, welche den Schwerpunkt ihrer Thätigkeit aus der Kirche in die politische Arena verlegten. An der einzelnen Person ist nicht viel gelegen, wir haben es mit der Sachezu thun. Das Kaiserwort, daß „Selbstüberhebung und Unduldsamkeit" dem Ehristenthum zuwiderlaufen, wird hoffentlich nicht nur maßgebend werden für die Kirche, deren oberster Bischof dieses Wort gesprochen, sondern auch für Diejenigen, welche den „christlichen Staat" leiten. Der evangelische Kirchenbauverein veröffentlichte die Rede, die sein Vorsitzender, Oberhofmeister Freiherr von Mirbach, in der Generalversammlung vom 1. Mai gehalten hat. Sie verbreitet sich besonders über die Waldersee-Versammlung, die den Artikel der „Post" gegen „Stöckerei und Muckerei" veranlaßt hat, und über die Haltung des Stöcker'schen „Volk". Obersthofmeister Freiherr von Mirbach geht auf die Verdächtigungen ein, als habe man für den Verein und die Kaiser Wilhelm-Gedächtniß-Kirche besonders bei Juden Geld gesammelt, als sei der eigentliche Erbauer der Kirche ein Jude; er weist nach, daß nur einige sechzigtausend Mark von Nicht-Evangelischen angenommen worden sind, und stellt in der Zurückweisung jener Angriffe überall das „Volk" mit dem „Vorwärts" auf dieselbe Stufe. Herr von Mirbach bezeichnet die Angriffe der orthodoxen Presse als

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