Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 269 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 269 welche den neuzeitlichen Sittlichkeitsbegriffen widerspreche. Uebrigens ^omme das Buch für den jüdischen Religionsunterricht in Preußen gar nicht in Betracht, da für diesen Unterricht 551 obrigkeitlich geprüfte Lehrbücher vorhanden seien. Daraufhin beschloß das preußische Herrenhaus Uebergang zur Tagesordnung. Ganz wird den Antisemiten das beliebte Agitationsmittel, der Hinweis auf dieses „geheimnißvolle Buch" freilich dadurch noch nicht entzogen. Auf Anregung des inzwischen nach Zürich geflüchteten Antisemiten Carl Paasch hat in Wien der „Ritualmord"-Studiengenosse des berüchtigten Paulus Meyer, der bekannte Pfarrer Dr. Joseph Deckert, eine neue Auflage der von dem getauften Juden G. G. F. Loewe sen. vor etwa 60 Jahren herausgegebenen Schulchan-Aruch-Uebersetzung Herstellen lassen. Wenn sie es der Mühe werth halten sollten, mögen sich die Fachgelehrten über den Unwerth dieses lediglich zu Parteizwecken dem Staub der Vergessenheit entrissenen „Konvertiten-Machwerks" äußern, im Allgemeinen dürste aber der Hinweis genügen, wo die neue Auflage hergestellt wurde: in der Mechitharisten-Buchdruckerei in Wien — und insbesondere wer sie veranlaßt: der fanatische Wiener Hetzredner Di-. Deckert, der von Vielen für irrsinnig gehaltene Pamphletist Carl Paasch und Freiherr v. Langen, welchem Carl Paasch erst zum Reichstagsmandat verhalf und neuerdings recht interessante Dinge nachsagte! Der Pfarrer Dr. Joseph Deckert nennt die Uebersetzung eine „authentische", giebt aber in der Vorrede selbst zu, daß sie nicht vollständig sei und daß er selbst die veraltete Schreibweise modernisirt und die alte Uebersetzung in einem leserlichen Deutsch gegeben habe. Deckert, welcher von dem Schulchan-Aruch wohl kaum eine Zeile richtig lesen, geschweige denn übersetzen kann, der sicher die Ueberarbeitung der Uebersetzung nur zu Hetzzwecken vornahm, war zweifellos der rechte Mann dazu, etwas Authentisches zu schaffen. Oreäat Diäuerw! Daß es nur unselig wirkt, wenn Geistliche, wie Deckert u. A. m., sich in das wilde Parteitreiben stürzen und statt der Menschenliebe Haß und Argwohn verbreiten, sollte allgemein erkannt werden. In dieser Beziehung ist endlich das erlösende Wort gesprochen worden, ein Kaiserwort, das man nicht drehen noch deuteln kann. Wie' die dem Freiherrn v. Stumm nahe stehende freikonservative Zeitung „Post" kundgab, hat das Kaiserliche Telegramm an den Geheimrath Dr. Hintzpeter, welches Freiherr von Stumm am 12. April in seiner Rede zu Neunkirchen erwähnte, folgenden Wortlaut: Berlin, Schloß, 28. II. 96. Stöcker hat geendigt, wie ich es vor Jahren vorausgesagl habe. Politische Pastoren sind ein Unding. Wer Christ ist, der ist auch