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Im deutschen Reich · 1896-05-01 · Heft 5 (Mai 1896) · p. 268

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 5 (Mai 1896)
Article
Umschau
Date
1896-05-01
Page
268 (sequence 2)
Language
German
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268 Im deutschen Reich. auf nachstehende Auslassung der „Hamburger Nachrichten": „Die übrigen Staatsbürger können ihr Interesse gegenüber der Abhängigkeit der Beamten jeder Zeit wahren, namentlich dadurch, daß sie keine Beamten in die Volksvertretung wählen." Die „D. W." fügt dann noch die wenig regierungsfreundlichen Worte hinzu: „Das. ist klar und deutlich. Wir wollen hoffen, daß diese Worte des Alten aus dem Sachsenwalde an geeigneter Stelle richtig gewürdigt werden. Dies scheint uns im Interesse des Reiches wichtiger zu sein, als ein ganzes Schock von Erlassen, die doch niemals die feste Hand des Steuermannes ersetzen können." Die Hoffnung des Herrn Abg. Zimmermann dürfte sich zunächst in einer für ihn unerfreulichen Weise erfüllen, nämlich in dem Gießen er Wahlkreise, wo das Mandat seines Gesinnungsgenossen, des antisemitischen Abg. Köhler, dadurch erledigt worden ist, daß der letztere die Postagentur zu Langsdorf übernahm^ Trotz des Ministerialerlasses und seiner Kommentare stellt die deutsch-soziale Reformpartei den Postagenten Köhler wieder alsKandidaten auf und erhofft für denselben sogar die Unterstützung des Bundes der Landwirthe. Vielleicht erfolgt aber inzwischen, nur um das von der „Deutschen Wacht" angekündigte „Schock von Erlassen" voll zu machen, auch noch eine Verfügung des Staatssekretärs des Reichspostamts, welches künftig einzelnen Postbeamten die Lust benimmt, als Reichstagskandidaten aufzutreten oder Versammlungen der deutsch-sozialen Reformpartei zu leiten, in welchen Männer wieAhlwardt u.A. m. die Negierungspolitik in der ihnen eigenthümlichen Weise besprechen. Der Fall Schulze - Wohlau war in dieser Beziehung besonders lehrreich, denn die Versetzung dieses ehrgeizigen Postassistenten, welcher sich in Breslau von Ahlwardt zum Reichötagskandidaten empfehlen ließ, nach Frankenstein und Wohlau hatte keine andere Folge, als dem nach politischen Erfolgen Lüsternen ein neues Agitationsfeld zu eröffnen, auf dem er schließlich zu Grunde ging. Nicht minder verblüffend als der wohl nur das wilde Parteitreuen einzelner Staatsbeamten einschränkende ministerielle Erlaß hat auf die Mitglieder der deutsch-sozialen Reformpartei die im preußischen Herrenhause erfolgte kurze Abweisung der antisemitischen Forderung gewirkt, eine Uebersetzung des Schulchan-Aruch auf Staatskosten Herstellen zu lassen. Dem Freiherrn von Durant, welcher die betreffende Petition der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wissen wollte, antwortete der Negierungskommissar, Geh. Rath Löwenberg, kurz und bündig, daß die Meinungsverschiedenheit über den Inhalt des Schulchan- Aruch durch eine staatliche Einmischung nicht beseitigt werden könne. Kein Jude sei genöthigt, einer Anordnung dieses Buches zu folgen,

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