Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 239 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Vereinsnachrichten. 23V kollegium in die plumpe Befehlsform der ausführenden Instanz gekleidet. Gegen diese Erlasse wollen und müssen wir uns wenden, unbekümmert um Erfolg oder Mißerfolg. Wenn wir solche Dinge ruhig hinnehmen, dann sind wir werth, noch viel schlimmer behandelt zu werden. (Lebhafter Beifall.) Sodann sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz sein Bedauern aus, daß in der Versammlung, wenn auch nur von einem Einzelnen, der Versuch gemacht worden sei, die Schuld an der jetzigen üblen Lage der jüdischen Lehrkräfte dem Magistrat zuzuschieben, dem sicher die ganze übrige Versammlung den lebhaftesten Dank für sein Verhalten in dieser Frage zolle. Der von dem einen Redner aufgeführte Eiertanz habe diese Empfindung nicht abgeschwächt. Auch der städtische Lehrer Herr Hanfs beklagte den Versuch des Herrn Klausner, die Mißstimmung von dem Minister auf die städtische Schulverwaltung abzulenken. Der Redner suchte dann an den Verhältnissen der Schule, an welcher er selbst unterrichtet, das Unzutreffende der betreffenden Darstellungen nachzuweisen. Herr Di-. Pariser drückte die Ueberzeugung aus, daß Herr Klausner nach bestem Wissen und Gewissen die Dinge so dargestellt habe, wie sie ihm dargestellt worden seien. Das Vorgehen des Ministers entspreche trotzdem einem System, das sich auch anderwärts in dem Versuch kundgebe, Ausnahmegesetze für Assessoren zu schaffen und „das Ghetto der Berufswahl" einzuführen. Jedermann sei überzeugt, daß die Judenfeindlichkeit bei dem Magistrat nicht zu suchen sei, daß aber der in den Erlassen geführte Schlag nicht nur die jüdischen Lehrkräfte treffe, sondern gegen die Gleichberechtigung der Juden im Allgemeinen geführt worden sei. Der Desavouirung der Verfügung des Provinzial- Schulkollegiums durch den Minister könne man nur eine theoretische Bedeutung beilegen. In dem Schlußwort verwies Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz darauf, daß sich die Antisemiten zu dem Erlasse des Ministers gratulirt hätten, daß ein antisemitisches Blatt geschrieben habe, derselbe genüge ihr vollkommen! Hierauf wurde mit allengegen die eine Stimme des Herrn Klausner folgende von dem Vorsitzenden vorgeschlagene Resolution angenommen: Die heute vom Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufene Versammlung bedauert die in jüngster Zeit getroffenen Anordnungen der staatlichen Schulaufsichtsbehörden bezüglich der Beschäftigung jüdischer Lehrkräfte, insbesondere diejenigen des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums.