Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 235 (sequence 4)
- Language
- German
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Vereinsnachrrchten. 235 viel Lehrkräfte wie Ordinariate vorhanden sind. Werden zu diesen die Jüdinnen nicht zugelassen, so müssen neue christliche Lehrerinnen angestellt und der Stadtsäckel dafür belastet werden. Bei der Anhänglichkeit der Schüler an ihren Klassenlehrer würden jüdische Lehrerinnen ohne Ordinariate in Mißachtung bei Lehrern und Schülern gerathen rmd in den Konferenzen nur eine untergeordnete Stimme haben. Warum sie nicht Unterricht in Geschichte ertheilen sollten, sei unerfindlich, da dieser nach den eingeführten Lehrbüchern objektiv ertheilt werden müsse und sich auf Darstellung von Thatsachen beschränke. So weit z. B. die Darstellung der Ausbreitung des Christenthums irgendwie religiösen Charakter gewinne und den rein historischen Boden verlasse, gehöre sie nicht zum Geschichts-, sondern zum Religionsunterricht. Aehnlich verhalte eS sich mit der Geschichte der Kreuzzüge. Was rein historisch sei, könne ein Jude oder Mohamedaner durchaus angemessen wiedergeben. Daß jüdische Lehrerinnen als Klassenlehrerinnen dieselben Schüler nicht über eine blasse hinaussühren sollen, ist geradezu eine Schmach, denn es zeigt, daß matt die Sittlichkeit, das Gemüth der Kinder gefährdet glaubt, wenn diese länger als ein Jahr einer jüdischen Lehrerin anvertraut sind. Nicht minder entwürdigettd seien die nur über die jüdischen Lehrerinnen einzureichenden Berichte, welche vollständige „Conduiterrlisten" sein würden. Gegen diese Crlasse ist Folgendes unternommen worden: 1. haben sich die davon zunächst betroffenen Lehrerinnen durch eine Abordnung an den Kultusminister bezw. an den Herrn Ministerialdirektor Kügler gewandt. 2. hat der Berliner Magistrat dem Herrn Minister eine längere Eingabe überreicht, deren unverkennbares Wohlwollen für die jüdischen Lehrerinnen es den Juden zur Pflicht macht, die Kritik an einzelnen nebensächlichen Punkten dieser Eingabe zu unterlassen. 3. haben die Berliner Stadtverordneten mit Einhelligkeit Einspruch gegen die Erlasse vom 27. Dezember 1895 und 9. Januar 1896 erhoben und den Magistrat ersucht, an den bisher bei der Anstellung jüdischer Lehrkräfte befolgten Grundsätzen festzuhalten. Der Vorstand des Central-Vereins hat es für seine Pflicht angesehen, die Angelegenheit in allgemeiner Versammlung zur Sprache zu bringen. Der Redner schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Erlasse in ihrer jetzigen schlimmen Fassung nicht zur Ausführung gelangen würden. (Lebhafter Beifall.) Nachdem die Diskussion eröffnet worden, erhielt zunächst Herr Rektor Dt-. Adler das Wort. Derselbe führte aus, daß ursprünglich allgemein angenommen worden sei, die Berliner Gemeindeschulen hätten einen paritätischen Charakter, zumal gegen diesen seiner Zeit 16