Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 223 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 223 und Nationalität, welche sich erlauben sollte, die Israeliten zu be. leidigen, wird strenge bestraft werden, denn das Kind, welches verloren war und todt aufgefunden wurde, ist von einer Katholikin, der Nachbarin der Mutter des KindeS, ermordet worden. Die Polizei hat ihre Maßnahmen getroffen." Bezeichnend für die Zähigkeit und Bosheit, mit welcher die Judengegner an diesem für die systematische Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten so sehr geeigneten Kampfmittel derartiger Erfindungen krampfhaft festhalten, ist die Art, in welcher sie die Verurtheilung des Dechanten Fuß besprechen, welcher durch eine solche Verleumdung den jüdischen Gastwirth Ignatz Adler in Garam Kis Szallo zur Verzlveiflung und schließlich zum Selbstmord getrieben hat. Diese Gattung von Antisemiten zeigt sich geneigter, den Pester Geschworenen die Verurtheilung des greisen Verleumders zu verzeihen, als dem Verteidiger des letzteren, daß er ehrlich genug war, in seinem Plaidoyer offen zu erklären, er sei davon überzeugt, daß noch niemals weder bei aufgeklärten noch bei orthodoxen Juden ein Ritualmord vorgekommen. Er gründe deshalb seine Vertheidigung darauf, daß in der inkriminirten Korrespondenz des Dechanten eine Ermordung der Julie Balacz nicht direkt behauptet worden sei, also von einer Verleumdung nicht die Rede sein könne. Die von diesem Redakteur des klerikal-antisemitischen Blattes „Magyar Allam", dem Abgeordneten, Advokat Dr. HortovLnyi, geführte Vertheidigung war, wie in einem in dieser Nummer enthaltenen besonderen Artikel überzeugend nachgewiesen wird, nichts weniger als judenfreundlich. Daß Hortovünyi aber nicht vor den Geschworenen an dem „Ritualmord" festhielt, wird ihm nichtsdestoweniger von den verbissensten Antisemiten als Verbrechen angerechnet. So läßt sich der Redakteur Karl Sedlatzek in Berlin-Rirdorf aus Pest schreiben, Dr. Hortovünyi habe die Verurtheilung des von ihm vertheidigten Pfarrers Fuß absichtlich herbeigeführt und dadurch den Anspruch auf eine hohe Belohnung aus dem Geheimfonds der „Alliance Jsraelite" erworben. Die ganze Verhandlung habe ein kläglich abgekartetes Spiel dargeboten, das um so jammervoller erscheine, als die obersten katholischen Kirchenbehörden und auch die Redaktion des angeblich christlich-antisemitischen Blattes „Magyar Allam" bei dieser Ehrenrettung des Judenthums in erniedrigender Weise Handlangerdienste leisteten. Die Kinder des erhängten Juden hätten sich gewiß gehütet, das Gericht zur Ehrenrettung für ihren selbstmörderischen Vater anzurufen, wenn ihnen nicht vorher durch Vermittelung des Kultusministers vom