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Im deutschen Reich · 1896-04-01 · Heft 4 (April 1896) · p. 219

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (April 1896)
Article
Umschau
Date
1896-04-01
Page
219 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 219 Art von Ehrenerklärung für Ahlwardt. In dem erwähnten Schreiben an die Wähler Ahlwardt's wird auseinandergesetzt, daß letzterer in Amerika den Interessen seiner Wühler besser dienen könne, als im deutschen Reichstage. Denn der Antisemitismus sei international, und es käme vor allen Dingen darauf an, die Bewegung in alle Länder zu tragen. Darum müsse Ahlwardt noch bis zum Herbst 1896 in Amerika bleiben, „im Interesse der Sache!" Dazu bemerkt die „Tägl. Rundschau" sehr richtig: „Angesichts solcher Auffassungen von Abgeordnetenpslichten, die hier eine Handvoll Deutschamerikaner mit der unbefangensten Miene von der Welt einem deutschen Wahlkreise aufzutischen sich erdreistet, muß man wirklich erstaunt fein!" Jedenfalls bleibt der Abgeordnete für Friedeberg-Arnswalde auch jenseits des Oceans seinem Grundsätze treu: Erst das Geschäft, dann das Vergnügen! Daß sein Verfahren von der neuen „Deutschen Ztg." des Dr. Lange „jüdisch" genannt wird, ist fast ebenso komisch, wie der Spott dieses Blattes über die „Staatsbürger- und ähnliche Daitsche Zeitungen!" Schlimmer noch als Stöcker von dem Elfer-Ausschuß und Ahlwardt von seinen Brooklyner Gastfreunden, ist der als angeblicher Autor der Hetzschrift „Das jüdische Geheimgesetz und die deutschen Landesvertretungen" genannte Reichstagsabgeordnete Freiherr von Langen von seinem bisherigen Mitarbeiter Paasch bloßgestellt worden. Was dieser in der bei I. Schabelitz in Zürich erschienenen Flugschrift „Di', juris Freiherr F. E. von Langen und der Fall Paasch" über den Charakter und das Privatleben seines ehemaligen Gönners erzählt, hat den letzteren so verblüfft, daß er zunächst Paasch am 14. März durch den Freiherrn v. d. Lanken-Wackenitz zum Zweikampf fordern ließ, und da ihn der erstere wegen Bruchs des Ehrenworts als nicht satisfaktionssähig erklärte, am 21. März öffentlich als gemeingefährlich und geisteskrank bezeichnete. Dieser mit der kurz vorher ergangenen Herausforderung im seltsamsten Widerspruch stehenden Erklärung schloß sich Herr v. d. GröbenArenstein an, der eine ihm deshalb von Paasch übersandte Forderung zum Duell abgelehnt haben soll. Das Verhalten des Herrn von Langen wird sowohl von der Vorgesetzten Militärbehörde als auch von dem Vorstand der konservativen Reichstagsfraktion erörtert werden, zunächst dürfte es aber wohl die Stralsund er Wähler interessiren, ob es ihrem Vertreter im deutschen Reichstage nicht gelingen wird, sich gegen die schmählichen Beschuldiznngen des Herrn Paasch zu rechtfertigen. Auch in der Hochburg des Antisemitismus, in Wien, >eigl sich neuerdings ein bedeutender Zwiespalt innerhalb der anti- 15

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