Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 218 (sequence 5)
- Language
- German
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218 Im deutschen Reich. ReformparLei eine Durchkreuzung ihrer Absichten auf das im Wahlkreise Ruppin-Templin .freigewordene Mandat nicht gerade willkommen sein kann, liegt auf der Hand, denn bei weiteren Fehlschlägen wie in Osnabrück werden es ihre Anhänger wohl satt bekommen, Geld für solche unglücklichen Experimente zu opfern. — Die von dem Freunde Stöckers, dem Redakteur des „Volk", von Gerlach, angekündigte Aufstellung eines eigenen Kandidaten für den bisher von Ahlwardt vertretenen Wahlkreis „Friedeberg-Arnswalde" veranlaßte bereits den Sedlatzek'schen „General-Anzeiger", die antisemitische Doppelkandidaturen befördernden Anhänger Stockerls als eine „christlich-soziale Judenschutztruppe" zu bezeichnen. Zunächst hat Ahlwardt selbst alle Aufforderungen zur Niederlegung seines Mandats unbeachtet gelassen. Den antisemitischen Wählern von Friedeberg-Arnswalde ging nur eine Mittheilung der in New-Pork von Ahlwardt geschaffenen „A. A. A.u (American Antisem. Association) zu, die nur von dem angeblichen Erstarken der antisemitischen Bewegung in Amerika und von der Gründung einer neuen Wochenzeitung „Der Antisemit" spricht, welche Ahlwardt für alle Zeiten überlassen bleiben soll. Die erste Nummer dieser neuen „Bundschuh"-Auflage trägt das Motto „Greif nur hinein in's Wespennest"; der erste Mitarbeiter Ahlwardt's soll nach Angabe New-Iorker Blätter ein getaufter Jude Namens Friedow sein. Wie die Mittel zu dieser Zeitungsgründung beschafft wurden, das lehrt eine von der „New- 2)orf Times" veröffentlichte Erklärung des Vizepräsidenten der Amerikanischen Antisemiten-Association I. Hessel und des Sekretärs I. Schwertfeger. In dieser Erklärung heißt es u. A.: „In Anbetracht derThatsache, daß die von Herrn Ahlwardt in Szene gesetzte Agitation nicht den Zweck hat, unlautere Praktiken der Semiten zu bekämpfen, sondern nur von Ahlwardt als Zirkus betrachtet wird, in welchem die künstlich enthusiasmirten Anhänger als Statisten fungiren sollen, um den unersättlichen Geldbeutel des Reichstagsabgeordneten zu füllen, haben die Beamten es mit ihrer Würde unvereinbar gehalten, länger in der „Amerikanischen Antisemiten-Association" zu verbleiben. Herr Ahlwardt hat sich solcher Mittel bedient, welche selbst dem ärmsten Juden zu niedrig sind. Er hat alle bester situirten Personen, welche er in den Versammlungen kennen lernte, sofort oder am nächsten Tage um Geldbeträge angebettelt. Obwohl derselbe für alle Vorstellungen ein anständiges Honorar erhielt und die von ihm mit der Unverfrorenheit eines Handwerksburschen ausgeführten Schnorrereien ihm in Brooklyn allein über 60 Dollars per Woche einbrachten, war er immer in Geldnoth." Ein neues Comite der erwähnten Association bringt an der Spitze des „Antisemiten" eine