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Im deutschen Reich · 1896-04-01 · Heft 4 (April 1896) · p. 217

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (April 1896)
Article
Umschau
Date
1896-04-01
Page
217 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 217 eine Erklärung des Obersten a. D. v. Krause, wonach derselbe versichert, alle seine — bekanntlich wenig schmeichelhaften — Bezichtigungen aufrecht zu erhalten. Entschieden hat die schonungslose Behandlung Stöcker's in der Schrift des Herrn v, Krause die Theilnehmer an dem am 8. April im „Brandenburger Hause" in Berlin stattgehabten christlich-sozialen Parteitage veranlaßt, nicht nur die Scheidung von der konservativen Partei als eine endgültige anzuerkennen, sondern sich auch gegen ein Zusammengehen mit der deutsch-sozialen Reformpartei zu erklären. Diese letztere, von den antisemitischen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg und Zimmermann geleitete Partei ist nicht wenig erbittert über den auf dem christlich-sozialen Parteitage gefaßten Beschluß, bei Nachwahlen mit eigenen Kandidaturen vorzugehen und u. A. bei der Nachwahl in Neu-Ruppin-Templin dem von der Reformpartei empfohlenen Kaufmann und „Ackerbürger" Schicker! den Hofprediger a. D. Stöcker als Kandidaten gegenüberzustellen. Gemeinsamer Kandidat der Konservativen und des Bundes der Landwirthe ist der Gutsbesitzer Lamprecht aus Köpenick. In der am 13. April in Neu-Ruppin abgehaltenen Wählerversammlung waren der sozialdemokratische Führer des Kreises Kragemann und der freisinnige Redakteur Schuhmacher aus Erfurt anwesend. Da die Ausführungen dieser Beiden mit vielem Beifall belohnt wurden, wagte der antisemitische Abgeordnete Zimmermann nicht, den von ihm zum Vertreter des Kreises auserkorenen Grohdestillateur, aber zu Wahlzwecken als Ackerbürger bezeichneten Schicker! als Kandidat zu proklamiren. Das von ihm geleitete Dresdener Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" veröffentlichte trotzdem ein Telegramm aus Neu-Ruppin, wonach die Aufstellung am 13. d. M. erfolgt sein sollte. Der Bericht der Staatsbürger-Ztg. über die Versammlung hat diese Unwahrheit nicht enthalten; die Entstehungsgeschichte der falschen Depesche wird wohl unaufgeklärt bleiben! — Alle von den Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg und Zimmermann bei der Reichstagsersatzwahl im 4. hannoverschen Wahlkreise gemachten Anstrengungen und die von ihren Anhängern dafür aufgebrachten, erheblichen Agitationskosten waren völlig nutzlos vergeudet. Auf den antisemitischen Kandidaten Weidner fielen trotz der für die Wahlagitation aufgewandten 24 000 Mark noch nicht einmal 2000 Stimmen, während die zur Stichwahl gelangten nationalliberalen und welsischen Kandidaten 9671 bezw. 11 813 Stimmen erhielten und der sozialdemokratische Kandidat es immerhin auf 3271 Stimmen brachte. Daß nach dieser mißlichen Erfahrung den Führern der deutsch-sozialen

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