Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 215 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 215 Mit dieser Kundgebung stimmt die dem Fürsten Bismarck von dem erwähnten Afrika-Reisenden, zugeschriebene Aeußerung vollständig überein. Dieselbe zeug* keineswegs von einer besonderen judenfreundlichen Gesinnung, sondern nur von jener oft bewährten Staatsweisheit, von welcher eine größere Dosis denjenigen zu gönnen wäre, welche jetzt, wenn auch zunächst noch nicht aus dem Wege der Gesetzgebung, so doch im Verwaltungswege, selbst die intelligentesten Juden aus der Justiz und bem Lehrerstande vollständig verdrängen möchten. Wenn der Einsiedler im Sachsenwalde, welcher jetzt dieses System mißbilligt, zu der Zeit, in der er noch Minister war, leider irrthümlich annahm, er könne zeitweise den Antisemitismus für seine großen politischen Zwecke benutzen, so hat er doch sicher niemals die Endziele der antisemitischen Bewegung gebilligt oder etwa für erreichbar gehalten. Wahrscheinlich war ihm diese Agitation in einer bestimmten Periode als eine Art Ablenkung nicht unwillkommen, denn als Stöcker dem Korrespondenten des „New - Jork Herald" gegenüber behauptete, Fürst Bismarck habe seine Bestrebungen gehemmt, erklärte das Organ des Altreichskanzler, die „Hamburger Nachrichten", sofort, dies sei ein Jrrthum, der Fürst habe die Wahlerfolge der Stöcker - Partei mit Freude gesehen. Dies hat aber den ehemaligen Hofprediger nicht gehindert, den bekannten „Scheiterhaufenbrief" zu schreiben; es hat Theodor Fritsch nicht verhindert, in den „Deutsch - sozialen Blättern" vor dem „übertriebenen Bismarck-Kultus" zu warnen, und ebensowenig die Antisemiten Ahlwardt und Paasch von den schmählichsten Verunglimpfungen Bismarck's zurückgehalten. Bemerkenswerth ist, daß die judenfeindliche Redaktion von „Freideutschland" thatsächlich dem Altreichskanzler die Aeußerung von der „Zwecklosigkeit der antisemitischen Bewegung" zutraute und deshalb am 5. April schrieb: „Nichts ist abgeschmackter als die krampfhafte Hartnäckigkeit gewisser Antisemiten, aus Bismarck mit Gewalt einen Geistesverwandten machen zu wollen, obwohl er selbst bei jeder Gelegenheit dies mit Hand und Fuß abwehrt. Einige altersgraue Jugendaussprüche müssen immer wieder herhalten, obwohl nie Jemand von seiner Vergangenheit sich unzweideutiger Losgesagt hat als Bismarck in diesem Punkte. Wenn aber gewisse Bewunderer des Mannes sich gar zu der Behauptung versteigen, wir hätten „durch ihn erst deutsch fühlen gelernt", so mögen die von ihm etwas gelernt haben, die heute noch nicht wissen, was eigentlich „deutsch" ist. Diejenigen, die es schon vor Bismarck wußten, müssen Obiges als schwere Beleidigung zurückweisen, da sie leider feststellen, daß durch den Einfluß dieses Mannes unser Volk in beunruhigendem