Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Zu dem "Ritualmord"-Märchen
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 208 (sequence 9)
- Language
- German
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208 )m deutschen Reich. vom Jahre 1670 in Einklang bringen werden, welcher bekanntlich androht: „So Jemand sagt, in dem Gesetze des politischen Staate- oder in der öffentlichen Meinung der Menschen sei die Kirche nicht die oberste Gewiffensnorm für öffentliche und soziale Handlungen. oder auf diese Handlungen würden sich die Aussprüche der Kirche, durch welche sie über Erlaubtes oder Unerlaubtes sich äußert, nicht erstrecken — anathema sit!" Zu deutsch: Der sei verflucht! Genau den gleichen Standpunkt wie die geistlichen Fürsten nehmen die weltlichen Fürsten ein, von denen nur hervorgehoben seien: Kaiser Friedrich III. in der Urkunde vom Freitag vor Johanni 1470, Karl V. in dem Geleitbriefe ä. ä. Speyer, 3. April 1544, welcher dann von Maximilian II. (8. März 1566), Rudolf II. (15. Juni 1577), Mathias I. (13. November 1612), Ferdinand II. dem Katholischen (2. März 1621), Ferdinand III. (12. Januar 1645) und Leopold I. (22. September 1665) bestätigt wurde. Ebenso eindringlich verboten die Blutanklage die Könige von Böhmen Ottokar II. (29. März 1254), Wenzeln. (1300), Johann von Luxemburg, Karl! (30. September 1356), Wladislaw IV. (14. Mai 1454), und die Könige von Polen Johann Albert (1496), Sigismund I. (1514), Sigismund August (1548), Stefan Bathory (1576 und 1580), Sigismund III. (1592), Wladislaus IV. (1663), Johann Casimir (1694), Michael I. (1696). August II. (1736), August III. (1763), Stanislaus August (1765). Es ist ein ferneres Zeugniß des erleuchteten Sinnes der ungarischen Nation, daß in ihrer Mitte die Blutbeschuldigung am spätesten (erst 1494 in Tyrnau) und am allerseltensten (bis Tißa-Eßlär nur noch ein einziges Mal, und zwar 1529 in Bösing) austrat, und deshalb dürsten ihre Fürsten die Schutzurkunden für überflüssig erachtet haben. Erst in die ungarische Reichsverfaffung vom Jahre 1791 wurde folgender Artikel (38) ausgenommen: „Die königl. Statthalterei hat, damit für die Sicherheit dieser Nation (der Juden), welche durch dieses irrige Borurtheil gestört wird, gesorgt werde, allen Komitaten aufzutragen, daß man sich angelegen sein lasse, das Borurtheil, als wenn bei dem Gottesdienste der Juden Menschenblut geopfert würde, auf die schicklichste