Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Zu dem "Ritualmord"-Märchen
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 209 (sequence 10)
- Language
- German
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Zu dem „Ritualmord"Märchen. sog und dm Lokalumständen angemeffenste Weise, allenfalls auch durch Zuziehung der Seelsorger, aus den Gemüthern des Volkes zu vertilgen und dasselbe zu belehren, daß dieses verabscheuungswürdige Laster dem mosaischen Gesetze und dm Schriftm der Propheten, überhaupt dem ganzen altm Testament, worauf sich die jüdische Religion vorzüglich gründet, ebenso sehr als den Vorschristm der übrigen Religionen zuwider sei; folglich könne im Falle einer Mordthat, die von dem einen oder dem anderen Juden verübt wurde, wenn sich auch zeigen sollte, daß sie aus abergläubischer Absicht geschehen sei, dieselbe mit ebenso geringem Rechte der ganzen jüdischen Religion zur Last gelegt werden, als man wegen solcher Fälle, wenn sich unter Christen dergleichen ereignet, die ganze Christenheit beschuldigen könnte."' Endlich sei noch zur eventuellen entsprechenden Verwerthung in der Publikation des „Magyar Allam" Folgendes über den „Ritualmord" von Tyrnau (1494) — wie gesagt, der erste Fall, welcher sich aus ungarischem Boden überhaupt zugetragen hat — mitgetheilt: In Tyrnau wurden zwölf Juden und zwei Jüdinnen verbrannt, weil sie „gestanden" hatten, einen christlichen Jüngling ermordet zu haben. Antonius Bonfinius berichtet über diese zustiztragödie in seinen „Rerum hungaricum Decades (ed. C. A. Bel, Leipzig 1771)", Decas V, Buch 4, S. 738, wörtlich >be folgt: „Als man von den Greisen die Ursache der Verübung solcher Unhat durch die Qual der Folter (xsr tormentorum cruciati.m) ermittelte, fand man, daß deren vier seien, aus denen die hiden zu Tyrnau damals und anderwärts oft sich in frevelhafterWeise schuldfällig gemacht haben. Erstens: sie seien durch die Atorität der Vorfahren überzeugt, daß das Blut eines Christe-nenschen ein gutes Heilmittel zur Stillung der Beschneidungsw,de sei. Zweitens: sie meinten, daß dies Blut, in Speise gethan, ehr wirksam sei, zur Erweckung gegenseitiger Liebe (Liebestrek). Drittens: sie hätten, da Männer und Weiber bei ihnen gl chmäßig an Monatsfluß leiden, erprobt, daß das Blut eines'hrjstenmenschen, getrunken, eine geeignete Medizin sei. Viertens: dh sie eine alte, aber geheime Satzung hätten, durch welche sie vefljchjet sind, in täglichen Opfern in irgend einer Gegend ihrenGgtte christliches Blut darzubringen."