Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Zu dem "Ritualmord"-Märchen
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 204 (sequence 5)
- Language
- German
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204 Im deutschen Reich. Hilfsseelsorgers dem „Rabbi Moldavo" Behauptungen in den Mund legt, welche das gerade Gegentheil desjenigen besagen, was er in seinem Schandbuche thatsächlich angiebt. Er soll angeblich schreiben, daß „der Ritualmord wohl nicht im Ritus des jüdischen Glaubens, wohl aber in einzelnen fanatischen Familien existire". In Wirklichkeit lauten sie „Enthüllungen" des Noach Schickor so „harmlos" nicht; vielmehr „offenbart" er4) klipp und klar: „Es ist ein Hauptgesetz, daß jeder Jude in seinem Leben einen Christen schlachten muß, wenn er das ewige Heil erlangen will." Und auf denselben Gewährsmann beruft sich derselbe Herr Dr. Hortovünyi, der kurz zuvor mit anerkennenswerther Entschiedenheit die Ritualmord-Anklage als „vollkommen aus der Lust gegriffen" und „ausgeschlossen" bezeichnet hatte! Dann hat doch aber sein Gewährsmann, der Mönch „Theophil""), infam gelogen, und für einen solchen Patron wird von den Richtern Glauben gefordert, auf seine Bekundungen soll ein richterliches Urtheil aufgebaut werden?! Herr Dr. Hortovänyi hütet sich wohlweislich, noch andere „Enthüllungen" des „Rabbi Moldavo" mitzutheilen, weil die Wiedergabe auch nur eines einzigen seiner Delirien ausreichen würde, um auch den von antisemitischem Alkohol benebelten Köpfen die thatsächliche Beweiskraft des ganzen blutrünstigen Lügenerzeugnisses zu offenbaren. Oder wird auch der Gläubigste unter den Gläubigen des „Magyar Allam" folgende Skurrilität, welche sich wörtlich so bei dem „Rabbi Moldavo" findet^), ernst nehmen? „Alle Juden Europas haben die Krätze; die in Asien leiden an Kopfgrind, die Afrikas an Schwären, welche sie an den Füßen haben, die Amerikas endlich haben große Augenschwäche, d. h. ihre Augen geben eine Feuchligkeit wieder, welche ihnen ein stupides 4) Vergl. Athanasius Fern I. o. S. 25. °) Nebenbei bemerkt, ist auch das eine der »Ungenauigkeiten" des Herrn Hortovünyi, daß Noach Schickor »unter dem Namen Theophil Mönch wurde". Er hieß „Neofito", d. h. der Getaufte; sein .Werk" ist anonym erschienen (zum ersten Male im Jahre 1803 in Jassy, vergl. Jarcu, „Rumänische chronologisch« Bibliographie". Bukarest 1873 ad annum), was durch die Namensänderung verschleiert werden soll, b) Bergl. Achille Laurent I. o. S. 383.