Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Zu dem "Ritualmord"-Märchen
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 202 (sequence 3)
- Language
- German
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202 3m deutschen Reich. freier Zeuge! Wer sich unterfangen wollte, einen so verkommenen, im Schlamme der Gemeinheit versinkenden Saufbold für die harmloseste Anklage als Gewährsmann auszuspielen, würde bei allen halbwegs Gesitteten so energischer Zurückweisung begegnen, daß ihm die Lust zu einer erneuten Berufung auf diesen verlogenen Gesellen vergehen dürste. Die Blutlügner aber vermeffen sich, gestützt auf diesen Kumpan, die grausigsten Anschuldigungen gegen die gesammte Judenheit zu schleudern! Daß die Verfechter des „Racen-Antisemitismus", die Schneider, Deckert und Konsorten, jenem „Racen-Juden" überhaupt Glauben beimeffen, kann allerdings nicht Wunder nehmen, denn vor „jüdischen" Schurken, welche für schnöden Sold die heißersehnten „Enthüllungen" präpariren, macht dieser famose „Racen-Antisemitismus", der alle unbescholtenen Juden und Judensprossen wie eine Rotte von Lügnern behandelt, jedesmal mit scheuer Ehrfurcht Halt. (Man denke nur an die geradezu liebevolle Verwerthung der Lügensabrikanten Brimann-Justus, Paulus Meyer rc.) Ebenso wenig kann es überraschen, daß diese Ketzerrichter „jüdischer Sittenlosigkeit" einen Schandbuben, der nicht nur das eigene Nest beschmutzt, sondern in nackter Schamlosigkeit sich selber wiederholter Morde bezichtigt, nicht mit Ekel und Abscheu von sich weisen — denn woher sollen sie ihre „jüdischen" Handlanger und Eideshelfer nehmen, wenn nicht aus den Reihen derer, die auf der letzten Stufe sittlicher Verkommenheit angelangt sind?! Wohl aber kann es immerhin auffallend erscheinen und verdient zur Kennzeichnung dieses Gebahrens festgenagelt zu werden, daß Herr Or. Hortovunyi vor einer Ausschlachtung jenes niederträchtigen Pamphlets nicht zurückschrickt, trotzdem dasselbe die handgreiflichsten, für jeden Laien mit Leichtigkeit kontrolirbaren Fälschungen des Bibeltextes auftischt. Alle Stellen, welche der „Rabbi Moldavo" aus der Bibel zitirt, sind gefälscht! Er schreibt?) „Wenn ein Hebräer stirbt, nehme der Kekam (!) das Weiße eines Eies, mische ein wenig Christenblut und eine Dosis der Asche (von Baumwolle oder Leinen, die mit Christenblut durchtränkt sind) hinein und lege das Ganze auf die Brust des Todten, indem er dabei spreche die Worte des Propheten Ezechiel: „Ich gieße ') Ich folge dem Auszug von Athanasius Fern: „Die jüdische Moral und das Blutmysterium" (Leipzig 1893), S. 28.