Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Zu dem "Ritualmord"-Märchen
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 201 (sequence 2)
- Language
- German
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Zu dem,,Ri1ualmord"-!Närchen. 201 (in moldauischer Sprache) anonym erschienenen Buches einen „Rabbi Moldavo" gemacht hat, hätte Herrn Dr. Hortovänyi bekannt sein muffen, denn diese Thatsache ist im Prozeß Rohling- Bloch gerichtsseitig festgestellt worden?) Aber auch über die Glaubwürdigkeit seines Zeugen konnte der Vertheidiger des Pfarrers Fuß nach meinen Darlegungen in der „Neuen Freien Presse" vom 29. November 1895, welche sich mit dem Vorleben und den sittlichen Qualitäten des „Rabbi Moldavo" beschäftigten, füglich nicht in Zweifel sein. Wer war der Verüber jenes Schandbuches, aus dem Rohling und seine Nachtreter ihre Weisheit über das „jüdische Blutritual" schöpfen? Der Historiker I. Psantir berichtet in seiner im Jahre 1889 in Bukarest erschienenen Schrift „Date biografi.ce“ S. 138 ff. nach Mittheilungen von Zeitgenoffen, daß jener Bursche als der Sohn eines Schloffers in Kischinew geboren wurde und von seiner Beschäftigung als Gehilfe in einer Branntweinbrennerei Schach Weinjung hieß. Wegen ständiger Betrunkenheit davongejagt, wurde Noach Schickor (d. h. Säufer), wie nunmehr sein Ehrentitel lautete, vagirender „Melammed", d. h. Kinderlehrer in den Dörfern bei Kischinew. Da er aber an ein seßhaftes Leben nicht zu gewöhnen war, vielmehr durch Trunk und Unzucht immer tiefer sank, wiesen seine Glaubensgenossen ihm die Thür, er wurde ein „Schnorrer" niedrigsten Kalibers, und als der stets betrunkene Bagabund schließlich bei den Juden nichts mehr erhielt, trat er als Einunddreißigjähriger im Jahre 1797 zur griechisch-orthodoxen Kirche über, „denn — so sagt er in der Einleitung zu seinem Machwerk — der orthodoxe Glaube in Christo leuchtet siebenmal Heller als die übrigen christlichen Konfessionen." Er wurde Mönch im Kloster zu Neamz, setzte aber sein vagabundirendes Lotterleben fort, trieb sich in Branntweinschänken und verrufenen Häusem umher, bis er, verachtet bei den Laien, wie bei seinen Klosterbrüdern, am Säuferwahnsinn zu Grunde ging. Dies in Kürze die Geschichte des sauberen Erdenwallens des „Rabbi Moldavo". Wie Herr Dr. Hortovänyi wohl beipflichten wird, sicherlich ein sehr vertrauenswürdiger, durchaus einwandsl) Vergleiche Dr. Josef Kopp, .Zur Judenfraze nach den Akten des Prozesses Rohling-Bloch' (Leipzig 1886), S. 34.