Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Zu dem "Ritualmord"-Märchen
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 200 (sequence 1)
- Language
- German
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200 Zu dem „Ritualmord"-Märchen veröffentlicht der „Pester Lloyd" folgendes der Redaktion des Pester Blattes aus Berlin zugegangene Schreiben, welches wieder recht deutlich zeigt, in wie frivoler Weife die Antisemiten Geschichte und Wahrheit zu fälschen wagen, um einmal verbreitete Lügen aufrecht erhalten zu können. Das Schreiben lautet: Berlin, 2. April 1896. Soeben lese ich in Ihrem geschätzten Blatte, daß Herr Dr. Hortovanyi, der Bertheidiger des Zselizer Hilfsseelsorgers Fuß, in der Schwurgerichtsverhandlung vom 26. v. M. sich zur Entlastung seines Klienten auf den berüchtigten „Rabbi Moldavo" berufen hat, welcher angeblich „unter dem Namen Theophil Mönch wurde" und in einem „Werke" schrieb, daß „der Ritualmord wohl nicht im Ritus des jüdischen Glaubens, wohl aber in einzelnen fanatischen Familien existire." Die Bezugnahme auf den „Rabbi Moldavo" ist nicht neu; dieser dunkle Ehrenmann bildet, seitdem die „Civiltä eattolicä“ aus Anlaß des Tißa- Eßlärer Prozesses ihn und sein Machwerk der wohlverdienten Vergeffenheit entrissen, den Kronzeugen der internationalen Blutlügner, dessen ungeheuerliche „Enthüllungen" allen Zurückweisungen der Ritualmord-Anklage fanfarunirend entgegengehalten werden. Trotzdem muß es füglich überraschen, daß Herr Dr. Hortovanyi an Gerichtsstelle einen derartigen, längst als Lügenbold und Fälscher gekennzeichneten „Gewährsmann" präsentiren zu dürfen glaubte, und daß er aus seinem „Werke" Angaben zitirte, welche thatsächlich nicht darin enthalten sind. Daß ein „Rabbi Moldavo" überhaupt niemals existirt hat, daß vielmehr Professor Rohling in seiner skrupellosen Unwahrhaftigkeit aus dem Autor des, wie ein französischer Exzerptor angiebt, „en langue moldavienne“