Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Schlimme Rathschläge
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 196 (sequence 10)
- Language
- German
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106 3nt deutschen Reich. UNS Beistand zu leisten befähigt" seien. Plünderndem oder mordgierigem Pöbel wird die politische Gesinnung seiner Opfer stets sehr gleichgültig sein und die Sympathie der anständigen Leute, gleichviel ob sie die Uniform, den Rock oder die Arbeiterblouse tragen, wird man nur durch achtbare Gesinnung erwerben. Solche aber zeigt man nicht, wenn man sich einer Partei anschließt, mit deren Zielen man nicht, übereinstimmt, fast so wenig wie bei überzeugungslosem Glaubenswechsel, vor dem C. übrigens mit Recht warnt. Mit vollem Rechte sagt C. selbst, er glaube, „einen ziemlich vereinsamten Standpunkt einzunehmen und wähne auch nicht, für die von ihm entwickelten Ansichten so bald erfolgreich Propaganda zu machen." Dies hat freilich antisemitische Blätter nicht gehindert, seine Ansicht als die aller Juden zu erklären und uns wegen Unterstützung der Sozialdemokratie zu denunziren. Würde Cohn's Rath wirklich von einer größeren Zahl unserer Glaubensgenoffen befolgt, was wir wahrlich nicht zu fürchten brauchen, so würde er sowohl den Juden als der sozialdemokratischen Partei nur Nachtheile bereiten. Unsere Gegner würden nicht aushören, diese als Judenpartei in Verruf zu bringen, und wir würden für alle wirklichen oder vermeintlichen Fehler dieser Partei haften müssen. Auch müßten solche unserer Glaubensgenoffen, die sich aus ehrlicher Ueberzeugung jener Partei angeschloffen haben, bei ihr an Achtung verlieren, da man auch ihren Anschluß auf selbstische Beweggründe zurückführen würde. Braucht man noch davon zu reden, daß Unruhen, wie sie ein weiteres Anschwellen der Sozialdemokratie und dadurch hervorgerufene Repressivmaßregeln der Negierung leicht zur Folge haben könnten, gerade einer konfessionell so vielfach angefeindeten Minorität großen Schaden zufügen müßten? Unter solchen Unruhen würden wir am meisten zu leiden haben. Auf der einen Seite würde man, selbst wenn die meisten Juden Anhänger der Sozialdemokratie geworden wären, den Haß gegen die jüdischen Kapitalisten leicht aus uns Alle übertragen; ebenso würden auch alle Juden unter der Reaktion besonders bitter zu leiden haben, wenn ein bedeutender Bruchtheil der sozialdemokratischen Führer den Juden entstammte. Daß die Staatsregierung nicht noch weit schärfer gegen uns austreten könnte, als sie es heute schon thut, ist ein Jrrthum Cohn's; noch weit mehr würden, wenn wirklich ein größerer