Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Schlimme Rathschläge
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 194 (sequence 8)
- Language
- German
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194 3m deutschen Reich. Staats und Bewohnern desselben Territoriums? Ein — vielleicht auch ökonomisch glänzend dastehender — Judenstaat würde die Habsucht aller militärisch stärkeren, aber armen Staaten zum Angriffe locken. Heute müffen die in Minorität befindlichen Religionsgesellschaften, wie die Juden in Deutschland, Juden und Protestanten in Frankreich und Ungarn, die Christen in China rc., fürchten, daß ihre Mitbürger gegen sie durch Verleumdungen aufgehetzt werden. Wie nahe läge es aber nicht für die Regierungen von Staaten von 50 oder 80 Millionen Einwohnern und darüber, um innerer Schwierigkeiten Herr zu werden, über einen Staat von ca. 8 Millionen Einwohnern herzufallen, der noch dazu sich durch die Verschiedenheit seiner Staatsreligion von allen übrigen unterschiede. Herzl verzweifelt daran, den Antisemitismus, den er richtig aus „rohem Scherz, gemeinem Brodneid, angeerbtem Vorurtheil, religiöser Unduldsamkeit und vermeintlicher Rothwehr" erklärt, „durch Vernunftgründe zu bekämpfen." - Dann verräth es doch sicher einen wunderlichen Optimismus in einer Zeit, in der der Unterrichtsminister eines durch sein Schulwesen berühmten Kulturstaates in den Volksschulen Begeisterung für die Kreuzzüge verbreitet sehen will, anzunehmen, die christlichen Großstaaten würden „uns die Ehrenwache um die heiligen Stätten der Christenheit anvcrtrauen." Diese werden Palästina immer noch lieber in den Händen der Türken als der Juden sehen, so lange sie in diesen lieber die Denunzianten als die Stammesgenossen ihres Religionsstifters erblicken. Wenn Herzl S. 26 es als „sentimentale Faselei weichmüthiger Schwärmer" bezeichnet, eine Besserung der Zustände „durch die herbeizuführende größere Güte der Menschen" bewirken zu wollen, so muß sein Plan als Träumerei eines Philanthropen bezeichnet werden, der die wirklichen Verhältnisse und Gefühle der Menschen nicht genügend in Rechnung zieht. Er sagt, daß er von seinen Lesern ein Umdenken und Umlernen mancher alten Vorstellung verlangt; er dokumeutirt dadurch selbst, wie vereinzelt er wohl auch in Oesterreich mit seinen Anschauungen steht. Ein in Australien erscheinendes jüdisches Blatt, „^.uotralasiair Hebrew“, erklärt sein Buch für eine harmlose Träumerei; dies würde es auch für uns sein, wenn nicht antisemitische Blätter dies Buch als Grundlage zu Angriffen gegen uns benutzt hätten. Nur zu gern stimmen sie