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Im deutschen Reich · 1896-04-01 · Heft 4 (April 1896) · p. 193

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (April 1896)
Article
Schlimme Rathschläge
Date
1896-04-01
Page
193 (sequence 7)
Language
German
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Schlimme Ralbschläge. ISS eines Staates aus ihnen, mit einem Moltke'schen Worte nur als einen „Traum" und „nicht einmal als einen schönen" bezeichnen dürfen. Mit tausend Fasern hängt jeder Deutsche jüdischen Glaubens an seiner Heimath. Hier liegen die Gräber von Generationen seiner Vorfahren; für die staatliche Einigung dieses Landes sind die besten seiner Söhne, Berthold Auerbach, Gabriel Riesier, Johann Jakobi, eingetreten; kaum eine jüdische Familie wird es geben, von der nicht wenigstens ein Mitglied in den Kämpfen, die Deutschlands Weltstellung begründet haben, mitgefochten und mitgeblutet hat. Wenn uns Herzl's Ausführungen auch in deutscher Sprache entgegentreten, so darf man doch nicht vergesien, daß er nicht deutscher, sondern österreichischer Staatsbürger ist. Ein österreichisches Staatsbewußtsein in dem Sinne unseres deutschen existirt zur Zeit nicht mehr. Es giebt dort nur deutsches, czechisches, polnisches, ruthenisches ec. Nationalbewußtsein, das die gegebene Staatseinheit höchstens als etwas Gegebenes ansieht. Lange Zeit sind im österreichischen Staate, besonders in Böhmen die Juden muthig und hingebend für das Deutschthum eingetreten, dem sie durch ihre Muttersprache angehören. Aber während ihnen dies unter den übrigen Nationen viele Feinde machte, hält jetzt die Mehrzahl der österreichischen Deutschen in schwer begreiflicher Verblendung es für nützlicher für ihr Volksthum, die Juden zu verfolgen, statt mit ihnen gemeinsam ein weiteres Vordringen der slavischen Fluth zu hindern. Dieser Umstand macht es begreiflich, daß einmal bei einem österreichischen Juden das Verlangen ungestörter Ausübung seiner religiösen Pflichten den Sieg über Heimaths- und Staatsgefühl davontragen konnte. Die Gefühle der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sind aber von denen unserer österreichischen Glaubensgenossen sehr verschieden. Wenn Herzl durch die Presse der Juden in den einzelnen Ländern eine Antwort auf die Frage wünscht, ob dort Neigung besteht, seinen Rathschlägen zu folgen, so können wir für die Deutschen jüdischen Glaubens nur mit „Nein" antworten. Braucht man politisch ernst denkenden Männern noch ausführlich auseinander zu setzen, daß die Vorschläge Herzl's Utopien sind? Führen denn ererbtes Vorurtheil, Neid und Gewinnsucht nur zu Anfeindungen und Angriffen unter Angehörigen desselben

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