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Im deutschen Reich · 1896-04-01 · Heft 4 (April 1896) · p. 192

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (April 1896)
Article
Schlimme Rathschläge
Date
1896-04-01
Page
192 (sequence 6)
Language
German
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192 Im deutschen Reich. den Ausführungen des Verfassers ernst zu bleiben, wenn dieser es auch gewiß ehrlich meint und nur schmerzlich wirkenden Uebelständen Abhülfe bereiten will. So, wenn für den Judenstaat eine aristokratische Verfassung nach dem Vorbilde der altvenetianischen vorgeschlagen wird, wenn bestimmt wird, daß der zehnte Mann Militär sein soll, wenn in dem Zukunftsstaate jeder auch „die ihm in seiner Heimath liebgewordenen kleinen Gewohnheiten vorftnden wird." Die Zionisten, welche in den Juden Nationalbewußtsein Hervorrufen wollen, sind immerhin praktischer als Herzl, indem sie die hebräische, seit Jahrhunderten abgestorbene Sprache wieder zur Verkehrssprache unter den Juden zu machen hoffen. H. meint, jeder möge einfach in seinem Zukunstsstaate seine Sprache behalten, indem er als treffendes Beispiel der Möglichkeit des Sprachensöderalismus die Schweiz ansieht. Diese hat es aber doch nur mit drei Sprachen zu thun. Wer von uns, frägt Herzl, weiß genügend Hebräisch, um in dieser Sprache ein Bahnbillet zu verlangen? Dann folgt die ganz richtige Bemerkung: Wir erkennen uns eigentlich [?]*) nur noch am väterlichen Glauben als zusammengehörig! Sollen aber in dem neuen Staate die Verordnungen der Behörden gleichzeitig in deutscher, französischer, englischer, persischer, spagnolischer, holländischer und noch einem Dutzend anderer Sprachen veröffentlicht werden? Ebenso berührt es bei einem Dr. jur. eigenthümlich, daß er es für möglich hält, daß mindestens in einer Uebergangszeit jeder der aus den verschiedenen Ländern einwandernden Juden nach seinen Landesgesetzen beurtheilt werde. Die Gesetzsammlungen aller Länder, die man heute auch in der besten Bibliothek nicht zusammen findet, müßte dann jeder Richter in der Hand und womöglich im Kopfe haben. Ebenso pürden auch viele wirthschaftliche Vorschläge des Verfaffers, wie der der Landbebauung durch Unternehmer, die sich die nöthige Zahl „ungelernter Arbeiter" (unolrillsci laboursrs) auf Tage oder Wochen von einem Dienst-Vermittelungsbureau kommen laffen, eine ernste Probe nie bestehen. Sehen wir aber von allen Einzelheiten ab, so wird man doch das, worauf Herzl das Hauptgewicht legt, die Verpflanzung aller Bekenner des jüdischen Glaubens nach Palästina und die Bildung *) Auch uneigentlich an nichts Anderem.

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