Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 4 (April 1896)
- Article
- Schlimme Rathschläge
- Date
- 1896-04-01
- Page
- 191 (sequence 5)
- Language
- German
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Schlimme Rathschläge. 191 „Herzl, Der Judenstaat" den Vorschlag Spiegelberg's allen Ernstes von einem Manne wieder ausgenommen, dem weder Geist und Kenntnisse noch ein warmes Herz für die Leiden seiner jüdischen Glaubensgenossen abgesprochen werden können. Auch Herzl will aus den heute in alle Welt zerstreuten Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft einen Staat bilden, und wenn er meint, daß die öffentliche Meinung unter den Juden entscheiden solle, ob Palästina oder Argentinien geeigneter sei, so ist ihm doch der historischen Reminiscenzen wegen Palästina lieber. Jedenfalls, glaubt er, würde die Regierung jener Republik oder der Sultan gegen Uebernahme von Staatsschulden leicht zu bewegen sein, einen Theil des Landes mit der vollen Souveränetät an eine jüdische Gesellschaft abzutreten, welche gewissermaßen als „nogotioruin gestor“ des zu gründenden Staates handele. Die europäischen Großmächte, die auf diese Weise ohne Unruhen und Geschäftskrisen ihre Juden los würden, denkt sich Herzl als geneigt, jenen Staat unter ihren Schutz zu nehmen und ihn für neutral zu erklären. Wie man sieht, berührt sich Herzl's Plan in gewisser Weise mit den Bestrebungen, den aus Rußland, Rumänien 2C. vertriebenen Juden in Palästina und Argentinien Heimstätten zu bereiten und sie gleichzeitig zu Ackerbauern zu erziehen. Doch finden diese Bestrebungen nur wenig Herzl's Beifall. Er hält die Bauern für eine veraltete „historische Kategorie", deren Stelle besser landwirthschaftlichen Unternehmern eingeräumt werde; ferner glaubt er, die allmähliche Infiltration von Juden müsse immer schlecht enden, weil nothwendig der Augenblick komme, „wo die Regierung auf Drängen der sich bedroht fühlenden Majorität den weiteren Zufluß von Juden" absperre. Deshalb ist ihm die Hauptsache die Erwerbung der Souveränetät. Herzl will also die Sache so zu sagen im Großen macken, während er sich doch auch viel mit Kleinigkeiten abgiebt. So hat er schon eine Fahne für seinen Judenstaat erdacht, „ein weißes Feld mit sieben goldenen Sternen". „Das weiße Feld bedeutet das neue reine -eben"; die sieben Sterne sind nicht etwa den sieben Wochentagen oder der Siebenzahl der großen Propheten entnommen, sondern sie sollen den siebenstündigen Arbeitstag darstellen, den der Verfasser zu einem der Grundgesetze seines neuen Staates zu machen denkt. Wie hier, so ist es auch an anderen Stellen schwer, bei