Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 182 (sequence 13)
- Language
- German
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182 deutschen Reich. gelehrte Autoritäten des Herrn Sedlatzek: Ecker, Rohling, Wahrmund, Weißbach u. s. w. Nachdem der Redner die Qualifikation dieser antisemitischen Autoritäten beleuchtet hatte, mahnte er eindringlich zur Wachsamkeit gegen die jetzt wieder aufgetauchte Spottgeburt der Bosheit und Niedertracht. Er warnte vor der gedankenlosen unabsichtlichen Unterstützung antisemitischer Schriften durch Ankauf oder Nachfrage, empfahl dagegen sich mit dem in dem jüdischen Schriftthum vorhandenen, geistigen Rüstzeug gegen die Gegner mehr als bisher vertraut zu machen. Wir müssen zeigen, daß das Unheil unsere Widerstandskraft nicht gebrochen hat, dann wird jede der bisherigen Niederlagen uns eine Etappe zum endlichen Siege darstellen. Je rascher die Drachensaat des Antisemitismus aufgeht, desto rascher werden im Volksbewußtsein die Gefahren desselben klar werden, desto eher wird dies auch Denen klar werden, welche Recht zu sprechen haben. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Horwitz gab dann der Ueberzeugung Ausdruck, daß schon die in dem Erkenntniß verkannte Bedeutung des Begriffes der Gerichtsnotorität einen Angriffspunkt für die Revision bieten würde, da das Reichsgericht wiederholt angenommen habe, daß fachwissenschaftliche Streitfragen nicht ohne Beweisaufnahme durch Sachverständige entschieden werden könnten, und die Frage, wer in Talmudsachen auf den Begriff eines „Gelehrten" Anspruch machen könne, nur von fachmännischen Sachverständigen entschieden werden könne. Nachdem Herr Journalist F. Frankel auf weitere Seiten des bewußten Erkenntnisses hingewiesen, welche zu einer Revisions-Begründung Anlaß geben müßten, schlug Herr Professor Dr. Köbner die möglichste Verbreitung solcher Bücher vor, welche geeignet sind, als geistige Waffen gegen die antisemitische Verhetzung zu dienen und Aufklärung über den Ursprung des Blutritual-Märchens zu schaffen. Als besonders nützlich empfahl Redner den 2. Band des von Dr. Joel in Breslau verfaßten Werkes: „Blick in die Religionsgeschichte des 2. christlichen Jahrhunderts," sowie das Buch „Christliche Zeugnisse gegen die Blutbeschuldigung der Juden." Schließlich erklärte das Vorstandsmitglied, Herr Rechtsanwalt Dr. R. Alexander-Katz, der Versammlung noch für den Heimweg ein Trostwort mitgeben zu wollen. Er wies dabei besonders darauf hin, daß die älteren Richter glücklicher Weise meist einer anderen geistigen Richtung huldigen, wie die Richter erster Instanz, welche in der Zeit einer seltsamen Strömung groß geworden find, daß aber, wenn nicht alle Zeichen trügen, das jetzt aufwachsende Geschlecht sich wieder in erfreulicher Weise dem Idealismus zuwendet. Hierauf wurde die Versammlung