Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 176 (sequence 7)
- Language
- German
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176 Im deutschen Reich. Central-Verein. HerrLangenbach-DarmstadL hat denVorstand, jedenfalls die Fragen des Schächtverbots, sowie der Berufung von Juden zum Geschwornendienst, nicht aus den Augen zu lassen, bezw. darauf hinzuwirken, daß erstere Sache einmal im Reichstage erörtertwürde. HerrB e r nhardt-Kolberg wünschte, daß der Verein zu Gunsten der jüdischen Prediger und Elementarlehrer intervenire, welche zu Kommunalabgaben herangezogen würden, während von den Letzteren die christlichen Kulturbeamten und Elementarlehrer befreit bleiben. Herr R. Wohlberg nahm die von Herrn Katzenstein-Bielefeld gemachten Ausführungen zum Anlaß, sich zwar denselben in Bezug auf die Zionisten anzuschließen, aber die Orthodoxen gegen den Verdacht einer Förderung der Entnationalisirung zu rechtfertigen. Er bewies an der Hand von Bibelstellen, wie den rechtgläubigen Juden die Befolgung der Staatsgefetze und die Ergebenheit an die Obrigkeit und das Vaterland zur Pflicht gemacht werden. Nachdem ein von Herrn Singer-Magdeburg mit der vorgerückten Zeit begründeter Schlußantrag Annahme gefunden, erhielten noch die Herren Katzenstein-Bielefeld, Marcuse- Schönebeck, Landau-Lübeck und Jacobi-Köpenick das Wort zu kurzen Bemerkungen und zog Herr Rechtsanwalt Dr. Fuchs als Referent im Schlußwort das von ihm als höchst befriedigend bezeichnete Facit der Verhandlungen. Als solches nannte er die Klärung der Stellung des Central-Vereins zu dem Gneist-Rickert-Verein, zu dem Schächtverbot, zu der Schöffen- und Geschwornenfrage, besonders aber die Verständigung über die weitere Propaganda. Der Herr Referent erklärte sich gegen die Verwechselung der Orthodoxie mit den Zionisten, deren Selbstbewußtsein zwar schätzenswerth sei, die aber ebenso wie die Antisemiten die deutschen Juden von dem Vaterlande loszulösen streben. Orthodoxie und Vaterlandslosigkeit habe nichts mit einander gemein, im Gegentheil. Vor Allem sei überall ein Abstreifen des Jndifferentismus und ein einträchtiges Vorgehen der deutschen Juden nöthig; vorbildlich müsse das Vorgehen der jüdischen Notablen in Dresden im Falle Weidenbach und der Hofer Juden im Falle Thelen sein. Die Delegirten würden, in ihre Heimath zurückgekehrt, hoffentlich das Ihrige dazu beitragen, die deutschen Juden im Central- Verein zu vereinigen. Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz schloß sich diesem Wunsche mit den Worten an: „Der Worte sind genug gewechselt, laßt uns nun endlich Thaten sehen," worauf die Versammlung Nachts 12^ Uhr geschlossen wurde. Die am Dienstag, den 25. Februar d. I., im großen Saale des geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde, Berlin W., PotSdamerstr. 9, abgehaltene ordentliche Versammlung nahm einen glänzenden Verlauf.