Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 174 (sequence 5)
- Language
- German
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174 Im deutschen Reich. ungeklärten Frage des obligatorischen Religionsunterrichts. Die in den einzelnen Gemeinden vorhandenen Mitglieder des Central-Bereins sollten sich miteinander verständigen und die Vereinssache nach Kräften unterstützen. Den Verlauf der antisemitischen Bewegung in Magdeburg schilderte Herr Rechtsanwalt Lichtwitz, welcher dabei der Thätigkeit des Herrn Archivar Dr. Winter rühmend gedachte. Der Redner versicherte, daß bei ihm die Ausführungen des Herrn Referenten für die Sache des Central-Vereins Enthusiasmus erweckt hätten und dieser in die Gemeinden hineingetragen werden solle, um dem Verein Mitglieder, Informationen und das zuzuführen, was vor Allem zum Kampfe gehöre: Geld, Geld und wieder Geld! — Daß nicht schon früher der Synagogen-Gemeinde Lübeck das Programm des Central-Vereins genügend bekannt geworden, bezeichnete Herr Gustav Landau aus Lübeck als bedauerlich, da dieses Programm vollständig den Ideen der dortigen Gemeindemitglieder entspreche und dort Begeisterung erwecken werde. In Lübeck hätten die Juden keinen Grund über Zurücksetzungen zu klagen; sie empfänden aber lebhaft für diejenigen Glaubensgenossen in Deutschland, welche sich in ungünstigerer Lage befänden. — Der Herr Vorsitzende bemerkte, daß wenn der korporative Anschluß der kleineren Gemeinden sich in der bisherigen Weise vermehren und in größeren Gemeinden viele Einzelmitglieder geworben würden, der Vereins- Vorstand sehr bald dahin gelangen könne, mit voller Berechtigung zu sagen: „Wir sprechen im Namen der deutschen Juden!" An die Lösung der Frage des obligatorischen Religionsunterrichts heranzutreten, habe der Verein eine konkrete Veranlassung, da die Anstellung der jüdischen Lehrerinnen sich künftig nach dem Maßstabe des Bedürfnisses für den jüdischen Religionsunterricht richten werde, dieses Bedürfnis also nachweisbar sein müsse. Eine weitere Verbreitung und größere Ausdehnung der Vereinsschrift solle nicht aus den Augen verloren werden, und lasse sich ermöglichen, wenn mit der Mitgliederzahl auch die Einnahmen derart wachsen, daß dafür größere Ausgaben gemacht werden können. — Ueber die süddeutschen Verhältnisse erstattete hierauf Herr Wilhelm Langenbach aus Darmstadt Bericht, wobei der Redner auf die Schwierigkeiten hinwies, die Vertreter süddeutscher Synagogen-Gemeinden zu veranlassen, sich über die Central- Vereinssache in Berlin zu orientiren. Es sei wünschenswerth, daß aufklärende Vorträge in Delegations-Versammlungen gehalten würden, die in Frankfurt, Köln und München veranstaltet werden müßten. Außerdem sei oie spätere Errichtung von Filialbureaux in diesen Städten vorzubereiten. Tie hessischen Verhältnisse ließen wohl noch Manches zu wünschen übrig (z. B. gebe es dort noch keine jüdischen Richter), aber die Wahl antisemitischer Abgeordneter sei keineswegs der Ausdruck entschiedener Judengegnerschaft, sondern derjenige der Unzufriedenheit mit den wirthschastlichen Ver-