Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 173 (sequence 4)
- Language
- German
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Vereinsirachrichten. 173 die Delegirten in ihre Heimath zurückkehren als eifrige Apostel für die Vereinssache. Sie hätten die Pflicht, es dort zu künden, daß jü>er Einzelne sich an die Gesammtheit anschließen müsse, deren Interessen sich jetzt mit denjenigen des Einzelnen vollständig decken. Sie würden sicher in weite Kreise den Gedanken verbreiten: „Wer die Gleichberechtigung nicht vertheidigt, ist nicht werth, daß er sie bekommt!" Dem Vortrage, der wiederholt durch Zustimmung unterbrochen worden, folgten langanhaltende Beifallskundgebungen. Sodann eröffnete der Herr Vorsitzende die Diskussion. Herr Moritz Jacobi-Köpenick bezeichnete es als einen glücklichen Gedanken, den Vertretern der Synagogen-Gemeinden Gelegenheit zu geben, sich über die Organisirung der Abwehr auszusprechen. Die Gemeinden hätten sicher die Pflicht/ den Centra!- Verein ganz und voll zu unterstützen. Der Verein solle danach streben, daß größere Zeitungen sein Wirken besprechen, vor Allem aber die Mitglieder dazu anleiten, sich keine Unbill gefallen zu lassen. Der Redner berichtete, wie er selbst bei der Stadtverordnetenwahl in Köpenick unverzagt und erfolgreich den Verleumdern entgegengetreten sei. Die deutschen Juden sollten den Verein nicht nur unterstützen, sondem auch durch Meldungen stets auf dem Laufenden erhalten. Herr Dr. Horwitz dankte dem Vorredner für seine Anregungen, beleuchtete das zurückhaltende Verhalten der großen sog. liberalen Tageszeitungen den Juden gegenüber und sprach die Hoffnung aus, daß darin mit der Zeit eine Wendung zum Besseren eintreten werde. Man solle das Verdienst des Gneist-Rickert- Vereins nicht unterschätzen, der zuerst auf dem Plan erschienen sei und die Abwehr in die Hand genommen habe, während die Anderen noch in sträflicher Unterlassung zu Hause geblieben seien. Insbesondere verdiene die höchste Anerkennung, was Rudolf Gneist lediglich aus Rechtsgefühl für die Juden gethan. Gneist habe auch noch kurz vor seinem Tode dem Wirken des Central-Vereins schriftlich Anerkennung gezollt. „Dankbar die Hilfe der Andersgläubigen anerkennend, betrachten wir es als unsere Schuldigkeit, Beleidigungen selbst abzuwehren." Hierauf sprach auch das Vorstands-Mitglied Herr Dr. I. Ginsberg die Erwartung aus, daß das rasche Wachsthum des Vereins die großen Tagesblätter sehr bald davon abhalten werde, das Wirken des Vereins zu ignoriren. Der Redner berichtete sodann über das, was der Central- Verein gethan, um die Deutsch-Amerikaner zu verhindern, aus Neugierde die Ahlwardt-Tournee lohnend zu machen; er betonte femer die dem gehässigen Treiben der polnischen Antisemitenblätter neuerdings gewidmete besondere Aufmerksamkeit. Herr H. Bernhardt-Kolberg warnte unter Hinweis auf die Lage kleinerer Synagogen-Gemeinden vor zu raschem Vorgehen in der noch