Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 172 (sequence 3)
- Language
- German
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172 Am deutschen Reich. macht, so daß jetzt sogar Herr von Eynern sich über Verletzung der Parität den Evangelischen gegenüber zu beklagen anfängt. Der Vortragende verwies sodann auf einzelne Fälle, in welchen der Central-Verein erfolgreich eingegtiffen habe, z. B. bei der üblen Behandlung jüdischer Soldaten auf Kontrolversammlungen, bei der Nichtberufung von Juden zum Schöffen- und Geschworenendienst, bei Ausschluß jüdischer Bewerber um Anstaltsarzt - Stellen in Ostpreußen u. A. m. Für die verletzten Rechte der jüdischen Lehrerinnen würde voraussichtlich die Gesammtheit der deutschen Juden eintreten müssen. Der Central - Verein bezwecke die Zusammenfassung aller deutschen Juden, gleichviel welcher politischen oder religiösen Richtung dieselben huldigen, behufs Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Rechte. Die Synagogen-Gemeinden hätten sich im Wesentlichen auf Kultus-, Ritus- und Friedhofs-Angelegenheiten, Schul- und Armenpflege beschränkt, die staatsbürgerlichen Interessen der Juden und die Abwehr antisemitischer Angriffe aber nicht genügend gewahrt und wohl auch nicht ganz und voll wahren können. Der Central-Verein habe diese Aufgabe zu erfüllen, die Gemeinden aber hätten die Pflicht, ihm die Lösung dieser Ausgabe durch thatkräftige Unterstützung zu erleichtern. Der Central- Verein unterscheide sich von dem Comittz zur Abwehr und dem Gneist- Rickert - Verein dadurch, daß er „Oeffentlichkeit und Selbsthilfe" auf sein Panier geschrieben habe. Der Central-Verein lasse sich von keiner politischen Partei in's Schlepptau nehmen, weil die Verquickung mit bestimmten politischen Parteien sich ebenso für diese wie für die Juden nachtheilig erwiesen habe. Bei der Frage des obligatorischen Religionsunterrichts, bei der Behandlung der Religionsdelikte, in der Umsturzvorlage, bei der Schächtfrage und zahllosen anderen Fragen zeige es sich und habe es sich gezeigt, daß die Gebote des Liberalismus sich nicht immer mit den vitalen Interessen des Judenthums decken. Das Prinzip der Parität sei häufig wichtiger, als die Konsequenzen liberaler Forderungen; daß die Sache der Juden nur durch Juden erfolgreich geführt werden könne, sei ein Satz, der im heutigen Staatsleben eigentlich selbstverständlich sein müsse. Der Central-Verein sei weit davon entfernt, dem Gneist-Rickert-Verein Abbruch thun zu wollen, der vielfach verdienstlich wirke, den Juden aber nicht das Hochgefühl des Selbstbewußtseins und Vertrauens geben könne, das lediglich der Anschluß an die Gesammtheit der Glaubensgenossen zu gewahren vermöge. Mit dem Selbstbewußtsein gehe die Selbstzucht Hand in Hand. Das gesellschaftliche Niveau der Juden zu heben, diese dazu zu bringen, ftei, stolz und auf ihre Ehre bedacht zu sein, fei eine Aufgabe des Central-Vereins. Der Redner betonte, daß das, was er gesagt, schon geschrieben und gedruckt worden sei, daß aber das Gelesene rasch wieder vergessen werde. Weit wirksamer sei das lebendige Wort, mit diesem möchten