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Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 156

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Umschau
Date
1896-03-01
Page
156 (sequence 9)
Language
German
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156 deutschen Reich. die äußersten Konsequenzen ziehen. Der Rektor ermahnte, Gewaltthätigkeiten zu vermeiden. Jeder Student, der gegen den andern die Hand erhebe, werde unnachsichtlich relegirt werden. Der akademische Senat werde die Angelegenheit ehestens erörtern. Die jüdischen Studenten wollen jene Kommilitonen, welche Reserveoffiziere find und trotzdem Genugthuung mit der Waffe verweigern, dem militärischen Ehrengericht anzeigen. An der Wiener Universität kam es bereits zu stürmischen Szenen zwischen Verbindungs- und jüdischen Studenten. Als der Skandal seinen Höhepunkt erreichte, wurde die Räumung der Universität vollzogen. Im Vorjahre fand man in der ungarischen Gemeinde Garam-Kis- Sallo die Leiche des sechsjährigen Töchterchens des Tagelöhners Balacz in der Nähe eines Mühlgrabens. Nach Auffindung des möglicherweise von den Mühlrädern zermalmten Leichnams wurde der Garam- Kis-Salloer Gastwirth Ignaz Adler von einem Theile der Bevölkerung des Ritualmordes bezichtigt und das Pester klerikale Blatt „Magyar Allam" verlieh dieser Ansicht in einem längeren Artikel Ausdruck. Adler hatte gegen das genannte Blatt eine Verleumdungsklage angestrengt. Für den im „Magyar Allam" erschienenen Artikel übernahm der Verfasser, der greise Pfarrer von Zseliz, Dechant Johann Fuß, die Verantwortung. Am 26. d. M. sollte in dem gegen Fuß eingeleiteten Verleumdungsprozeß die Schlußverhandlung stattfinden. Inzwischen hat der durch die Ritualmord-Verleumdung tief erschütterte und auch wohl geschäftlich ruinirte Ignaz Adler am 8. März in Pest sich selbst entleibt, was von den Antisemiten als ein Beweis für sein Schuldbewußtsein, von allen nicht durch den Parteikampf Verblendeten aber als eine bedauerliche Folge der elendesten Verhetzung angesehen wird. Beschimpft, bedroht, in der Heimath seines Lebens nicht mehr sicher, ist Adler zuletzt geistesumnachtet gewesen. Wie der Advokat Dr. Guthi dem Gerichtshöfe bereits mitgetheilt hat, ist der Sohn Adler's entschlossen, den durch seinen unglücklichen Vater gegen den „Magy. All." resp. Pfarrer Fuß angestrengten Prozeß fortzuführen. Hoffentlich kommt dabei die Wahrheit doch noch an das Licht! Auch für das Ende der kleinen Julie Balacz hat das Wort des Staatsanwalts im Prozeß Buschhoff Geltung: „Nicht weil es sich um einen Juden handelt, bleibt die Sache unklar, sondern weil die Sache unklar war, griff man sofort zu einem Juden." Ueber die Amerika-Reise Ahlwardt's äußern sich jetzt seine Gesinnungsgenossen mit um so größerem Unmuth, als sie sich nicht verhehlen, daß die Wähler des Kreises Arnswalde-Friedeberg sich über die lange Abwesenheit ihres würdigen Vertreters nicht wenig wundern

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