Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 157 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 157 und daß dieser Kreis bei der nächsten Wahl der antisemitischen Partei jedenfalls verloren gehen wird. Ein Berliner Antisemitenorgan will eine Zuschrift aus dem Kreise Friedeberg-ArnSwalde erhalten haben, in welcher die Reife Ahlrvardt'S nach Amerika damit entschuldigt wird, daß sich seine Familie in äußerster Roth befinde und er jenseits deS Ozeans die Mittel zur Erhaltung der Seinigen suchen müsse. Bis jetzt scheint wenigstens sein Impresario keine Seide gesponnen zu haben. Als Ahlwardt vor Kurzem in Hoboken in der Grandstraße einen Vortrag gegen Eintrittsgeld, „für Christen 1 Cent, für Juden 50 Cent", halten wollte, weigerte sich am Abend der Besitzer des Lokals, die Thüre zu öffnen, so daß Ahlwardt unverrichteter Dinge abziehen mußte. Viele Menschen iolgten ihm und warfen an der Ecke der Ersten Straße mit allerlei Wurfgeschossen nach ihm. In der Drängerei wurde er dann gegen eine große Spiegelscheibe geworfen, welche in Lausend Stücke ging. Die Polizei machte schließlich dem Treiben ein Ende. Wenn Ahlwardt zwischen den Scherben der Spiegelscheibe zu Hoboken statt im deutschen Reichstage sitzt, muß das die Wähler des Kreises Arnswalde-Friedeberg doch stutzig machen! A. L. Korrespondenzen. Berlin, 19. März. In der am 15. März abgehaltenen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wurde der Antrag des Herrn Leichtentritt berathen, den Vorstand zu ersuchen, bei der zuständigen Behörde um Einführung eines obligatorischen Religionsunterrichts an allen öffentlichen Schulen der Monarchie, in welchen jüdische Kinder vorhanden sind, zu petitioniren und die übrigen jüdischen Gemeinden zu veranlassen, sich dieser Petition anzuschließen. Rach kurzer Debatte fand ein Antrag des Herrn Profeffor Dr. Baginsky Annahme, die Angelegenheit ans ein Jahr zu vertagen. — Die Berliner Stadtverordnetenschaft hat heute einstimmig folgenden Deputationsantrag angenommen: „1. Die Versammlung erhebt gegen den Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten vom 27. Dezember 1895 und die Verfügung des königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 29. Januar 1896 Protest und ersucht den Magistrat,