Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 155 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 155 Kultusgemeinde dem Justizminister Vorstellungen wegen der häufigen Beschimpfungen der jüdischen Religionsgenofsenschast und der Zurücksetzungen der richterlichen Beamten mosaischeu Bekenntnisses machte, erwiederte Graf Gl ui spach: „Ich habe in meiner amtlichen Gestion niemals einen Unterschied zwischen Taufschein und Geburtsschein gemacht. Ich kenne die Verhältnisse bei den Gerichten, auf die Sie anspielen. In vierundzwanzig Stunden läßt sich das nicht ändern, aber Sie werden sehen, daß ich hier ebenso, wie in meinem früheren Wirkungskreise in Graz vergehen werde, wo ich ebenfalls keine konfessionellen Unterschiede gemacht habe." Aus Anlaß des antisemitischen Wahlsieges haben die Rakonitzer Czechen ihre Wiener Gesinnungsgenossen beglückwünscht und ihnen ein freudiges „Slava!" zugerufen. Ihr czechischer Gruß wurde von den WienerAntisemiten, die sich sonst mit ihren deutschen Gesinnungen brüsten, in nachstehender Weise erwidert: „Wir freuen uns der Theilnahme unserer Rakonitzer Parteifreunde (!) auf das Herzlichste; mögen ihre politischen Grundsätze auch in ihrer schönen Heimath durchdringen." Das Blatt, das den politischen Grundsätzen der Czechen Erfolg wünscht, ist das Wiener „Deutsche (!) Volksblatt" — des Herrn Vergani! Daß die Ergebnisse der Wiener Gemeinderathswahlen den liebermuth der österreichischen Antisemiten noch wesentlich steigern und bte Verhandlungen im österreichischen AbgeordneLenhause noch stürmischer als vorher gestalten würden, war unschwer vorauszusehen. Als am 13. März anläßlich der Berathung des Handelsetats die Versammlung des Wiener Gewerbeverbandes erwähnt wurde, in welcher bei Nennung des Berichterstatters für die Gewerbenovelle des Abg. Exner „Pfui"-Rufe ertönten, sagte der deutsch-liberale Abg, Wrabetz: „Ich schäme mich für die Wiener Gewerbestände — das bringt jeder Gassenjunge zu Wege." Nun sprangen die Antisemiten erregt auf und Abg. Steiner rief: „Das ist eine Frechheit!" Da darauf von der Linken her die Mahnung erscholl, sich nicht wie im Wirthshause zu benehmen und die Antisemiten mit den Rufen „Buben", „Judenknechte" u. s. w. antworteten, brach ein förmlicher Sturm der Entrüstung los, der geraume Zeit anhielt, bis endlich der Vorsitzende dem antisemitischen Abg. Steiner den Ordnungsruf ertheilte. — In Folge des Beschlusses der Wiener deutsch-nationalen und antisemitischen Studenten-Verbindungen jüdischen Studenten mit der Waffe keine Genugthuung zu geben, theilte eine Abordnung jüdischer akademischer Verbindungen dem Rektor der Wiener Universität, Prof. Menger, mit, die jüdischen Studenten würden aus diesem Beschlüsse