Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 153 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 163 nichts thatsächliches zu Grunde liegt. Auch nicht der geringste Versuch eines An- oder Verkaufs ist gemacht worden." Wäre der Artikel „Die Erlösung des Christentums vom Juden- Lhum" in Nr. 20 des Sedlatzek'schen Blattes drei Wochen später erschienen, dann würde dieselbe als ein gelungener „Aprilscherz" gelten können. Der Verfasser, der sich hinter dem heidnischen Namen „Wuotan" verbirgt, sucht mit seinen sonderbaren Bibel- und Papyrus-Studien in hochkomischer Weise Ebers den Rang streitig zu machen. Dabei verherrlicht er den Götzendienst der „edlen Aegypter," im Gegensatz zu dem Glauben des von ihm mit dem Hirtenvolk Schafu identifizirten Volkes Israel, als die wunderbarste „Verherrlichung des Thierschutzes", als die Vergötterung der Liebe und Gerechtigkeit. Von diesem Standpunkte aus ist es begreiflich, daß der große „Aegyptiologe aus. der Hasenhaide" ein Todfeind der jüdischen Schächter ist, die schon bei Denjenigen, welche den Ochsen Apis verehrten, nicht beliebt gewesen sein mögen. Eine ernsthafte Seite hat dieser Aprilscherz insofern, als dabei die Bibelkritik in einer Weise gehandhabt wird, die auch bei christlichen Lesern Aergerniß erregen muß. Unter Anderem wird darin der große Gesetzgeber Moses, dessen Standbild, von Michel Angelos Meisterhand geformt, das Grabmal eines Papstes ziert, kurzweg als „Mörder" bezeichnet. Videant Consules! Zuweilen regt sich aber der Antisemitismus dort, wo man es am Wenigsten vermuthen sollte, wo er das Deutschthum im blinden Eifer empfindlich schädigt. An die Mitglieder des „Vereins zum Schutze des Deutschtums" in Czarnikau erließ der Vorstand der dortigen Abtheilung, Herr Negierungsbaumeister Marten am 8. Februar das nachstehende Rundschreiben: „Es hat sich in Czarnikau als zweiter deutscher Arzt Herr Dr. Wordell niedergelassen. Derselbe ist mir als tüchtiger energischer Arzt bekannt und bitte ich, denselben bei eintretenden Krankheiten mit heranzuziehen, bezüglich dessen Inanspruchnahme auch seitens Nichtmitgliedern thunlichst sich bemühen zu wollen. Vor Allem kommt es darauf an, den beiden deutschen Aerzten eine möglichst weitgehende Praxis zu schaffen. Hierfür zu sorgen und sich zu bemühen, ist Ehrensache für jeden Deutschen." Nun giebt es aber in Czarnikau, neben zwei polnischen Aerzten, nicht nur zwei deutsche Aerzte, sondern drei, von denen der eine Jude ist. Mit Recht hebt der „Dziennik Posnanski" hervor, daß diese Art amerikanischer Reklame dem empfohlenen Arzte nur schaden könne. Mit solchen Mitteln, bemerkt die „Tanz. Ztg.", schützt man das Deutschthum nicht, man schädigt es vielmehr in der empfindlichsten Weise. Daß der betreffende Staatsbeamte den jüdischen Arzt nicht als Deutschen