Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 151 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 161 lange dieser Unterschied verhalten wird, sobald die unausbleibliche« Konflikte eintreten, warten wir ab." Die Frage ist dabei nur, ob die Sozialdemokraten sich diese Bundesgenoffenschast aufdrängen lüssen werden. Als Herr Stöcker kürzlich mit drei Stadtmissionsinsyektoren plötzlich in einer Berliner Versammlung, in welcher für den Austritt aus der Landeskirche agitirt wurde, erschien, war fein wiederholtes Eingreifen in die Diskussion von dem denkbar größten Mißerfolg begleitet. Auch im preußischen Abgeordnetenhause wurde er neuerdings wieder» holt glänzend abgeführt. Als er bei der Schuldebatte für konfessionelle Gymnasien eintrat und den Kultusminister wehmüthig fragte, ob nicht doch noch das Schulgesetz, „die von dem liberalen Wüstenwind vernichtete Oase", möglich sei, erkannte man den ehemaligen schlagfertigen Redner kaum wieder. Dagegen machte die im Verlaufe derselben Debatte von dem Minister Dr. Bosse abgegebene Erklärung tiefen Eindruck, er maße sich nicht an, irgend wem zu sagen, derselbe habe keine Religion. Aber da die Verfasiung die Religion dem Volksunterricht zuweise, so müsse verlangt werden, daß Jeder Religionsunterricht erhalte. Am 4. März brachte der Abg. Rickert im preußischen Abgeordnetenhause den Erlaß des Oberkirchenraths zur Sprache und beklagte dabei, daß Geistliche in den vordersten Reihen der antisemitischen Hetzen gestanden hätten. Als Herr Stöcker erwiderte, daß der überwältigende Einfluß des Judenthums auf materiellem und geistigem Gebiete bekämpft werden müsie, bemerkte der nationalliberale Abg. Sattler, Stöcker habe gegen das Judenthum allerlei dunkle Andeutungen gemacht und seine Anhänger gingen dann darin weiter mt positiven Angriffen, bis sie schließlich dazu gelangten, sich gegen alles Kapital und schließlich auch gegen den Grundbesitz wenden zu müssen. Selbst der konservative Abg. Jrmer fühlte sich gedrungen zu erklären, daß sich die Anschauungen seiner Parteigenoffen mit denen des Herrn Stöcker nicht decken und daß er sich gegen die Verbindung des Tivoli-Programms mit der von den Konservativen „verabscheuten Juden hetze" verwahren müsse. Wie selbst im Lager der entschiedensten Antisemiten der Nimbus des ehemaligen Hofpredigers verblaßt ist, zeigt die Haltung des „Deutschen General-Anzeigers". Don demselben wurde alles Ernstes behauptet, ein Pastor vom Strande der Ostsee habe einmal seinem Freunde Stöcker einen großen Lachs geschickt, mit der Bedingung, daß Ahlwardt die Hälfte davon abkriege. Die Theilung sei aber nicht erfolgt, trotz der Versicherung Stöckels, daß er dieselbe vorgenommen habe. Fast ebenso erbaulich wie diese Geschichte vom „Antisemiten-