Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 149 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 149 wirtschaftlichen Schäden verantwortliche Judenthum zu bekämpfen und selbstverständlich stimmte der antisemitische Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg dieselbe Tonart an, über welche die Juden kaum Grund haben, sich ernstlich zu beklagen, da die Art, in welcher die Wortführer des Bundes sich über den Minister von Hammerstein äußerten, noch weit gehässiger war. Wie ernst diese Aeußerungen gemeint waren, bewies die bald darauf in der antisemitischen „Staatsbürger Zeitung" enthaltene, von sehr geringer?Regierungsfreundlichkeit zeugende Notiz, es verlaute in parlamentarischen Kreisen, daß der Minister demnächst „gekollert" würde. Thatsächlich wird diese Nachricht kaum eine andere Bedeutung haben, als diejenige eines in agrarisch-antisemitischen Kreisen vorhandenen Wunsches, dessen rücksichtsloser Ausdruck um so bemerkenswerther ist, als dem erwähnten Organ von dem antisemitischen Deutschen Volks-Recht vorgeworfen wurde, daß es „stark nach rechts schiele". Daß der „Staatsbürger-Zeitung" von der „Volks-Zeitung" nachgesagt wurde, sie lege sich in neuerer Zeit mit besonderer Inbrunst auf das Denunziren, ist eine köstliche Ironie der Thatsachen, welche in tiefernster Zeit Diejenigen heiter stimmen muß, welche gerade von diesem Blatte so oft mit Unrecht für eine vollberechtigte Abwehrthätigkeit den gleichen Vorwurf erfuhren. Wenn sich jetzt selbst zahlreiche Gesinnungsgenossen rückhaltlos über dieses Blatt äußern, so erklärt sich dies aus der Mißstimmung darüber, daß der Leiter desselben in der Gerichtsverhandlung gegen die „Genossenschaft Berliner Schneidermeister" sich die Drohung entschlüpfen ließ, „er werde Nachweisen, daß diejenigen antisemitischen Zeitungen, welche keine Juden-Annoncen ausuähmen, auf Betrug oder Bettel basirt seien." — So muß man es als eine erfreuliche Thatsache betrachten, daß die Hetzthätigleit der antisemitischen Presse nicht mehr gewinnbringend ist. Nach sechsjährigem Bestehen zeigt das Organ des „Deutsch-sozialen Landesverbands für Nordwest - Thüringen", das „Deutsche Tageblatt" in Rordhausen, seinen Lesern an, daß eö am 1. April d. I. sein Dasein beschließen werde. An demselben Tage geht auch die „Deutsch-Nationale Zeitung" in Düsseldorf ein. Wie dem konservativen „Volk" von zuverlässiger Seite milgelheilt wurde, sind bei der kürzlich eingegangenen antisemitischen „Volksrundschau" im Verlaufe von 17 Monaten nicht weniger als 600 000 Mk. zugesetzt worden. Die ungeheure Reklame, mit der dieses Blatt in's Leben gerufen wurde, soll gleich im ersten Monat fast 100 000 Mk. verschlungen haben. In dem von den Herren Dr. Lange und Hempel im August 1894 ver-