Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 148 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316615-2318309--00875-2318410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 Umschau. „Den Kampf gegen den Antisemitismus erwarte ich von der Regierung und dem Parlament; ich fordere und erwarte ihn von jedem für Recht und Gerechtigkeit einstehenden Mann; ich erwarte ihn von dem Genius der deutschen Nation. Die Judenfrage ist nicht eine Frage der Juden, sondern der Deutschen — die Frage, ob sie zur Reihe der civilisirten Nationen Europas fürder gehören wollen, oder aus derselben ausscheiden und in die Barbarei des Mittelalters zurückfallen wollen. Nimmermehr möchte ich der Gesammtheit des deutschen Volkes zurechnen, was eine Minorität in und an ihr versündigt; eine Minorität von der seltsamsten Mischung aus weit abliegenden Unterschieden, ja aus Gegensätzen, welche einander aufheben müßten, wenn sie nicht einzig und allein in dem holden Rufe „Auf die Juden!" sich zusammenfänden. Die Frage der Humanität ist nicht die unsrige, sondern die der ganzen deutschen Nation. Ueberall und immer ist die Frage der Humanität und Gerechtigkeit wichtiger für den, der sie zu gewähren, als für den, der sie zu empfangen hat." An diese aus dem Jahre 1880 datirenden Aussprüche des Geheimen Regiexungürath Professor Dr. M. Lazarus fühlte man sich in letzter Zeit mehr als je erinnert, weil die verrohende Wirkung der antisemitischen Bewegung wiederholt in einer Weise zu Tage trat, die das grellste Licht auf den Abgrund warf, welchem nicht nur die deutschen Juden, sondern alle Deutschen durch eine unbesonnen entfesselte Strömung näher getrieben worden sind. Die im Cirkuö Busch in Berlin abgehaltene dritte General- Versammlung des Bundes der Landwirthe, welcher zahlreiche Mitglieder des preußischen Landtages und des deutschen Reichstages beiwohnten, gestaltete sich gleichzeitig zu einer Kundgebung gegen den gegenwärtigen Leiter des Landwirthschaftsministeriums, Herrn von Hammerstein-Loxten, und gegen das wahrlich ohne allen Grund mit dem jetzigen Regierungssystem in Verbindung gebrachte Judenthum, mit dem sich die Versammlung mehr beschäftigte als mit den Sonderbestrebungen des Bundes. Herr von Diest - Daber meinte, die Regierung gefalle dem G.wßjudenthum ausgezeichnet; Freiherr von Langen bezeichnet es als Hauptaufgabe des Bundes, das für alle