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Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 137

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Herder und die Bibel
Date
1896-03-01
Page
137 (sequence 4)
Language
German
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Herder und die Bibel. 137 nissen, wo Alles auf Ueberlieferung vom Vater auf den Sohn beruht, ein Vergehen gegen die Familie, die Alles zusammenhielt. Daher war Noah zum Fluche gegen ihn berechtigt. Abraham ist ebenfalls ein Mensch und kein Gott und hat darum Augenblicke der Schwäche; diese werden jedoch stark ausgewogen durch seine Friedensliebe, seinen Kampfesmuth, seine Uneigennützigkeit, seine Gastlichkeit, seine Fürbitte für die Sünder. Mit seinen Zelten und Heerden zieht jenes Urlicht des Gottesgedankens, das er verbreitet, mit; Altäre zeigen seine Spur, und zur dauemden Erhaltung desselben schließt er mit der Gottheit den wichtigen Familienbund. Jsaak's Geschichte ist in ihrer Beschränkung auf das Kleine die schönste Idylle. Aber Jacob? Menschen, wie Jsmael und Esau, waren nach Herder's Darstellung nicht geeignet, dies Priesterthum zu vertreten, weshalb sie abgestoßen werden. Dies geschieht nach dem göttlichen Plane, wenn die Mittel auch oft sehr menschlich sind. Aber die Schrift erweckt dabei unser Mitgefühl doch gerade für den verschmachtenden Jsmael und den um seinen Segen weinenden Esau. Beide haben nichts eingebüßt, denn sie werden reich an Erdengut und an irdischer Hoheit. Jakob dagegen muß den Fehler, wozu ihn die Mutter veranlaßt, nach dem Plane der Bibel schwer büßen, zuerst im jahrelangen Kamps mit Laban's Härte und List, sodann in der Furcht vor Esau und endlich in der jahrelangen Entfernung seines Lieblingssohnes von ihm. Am Schluffe dieser Zeit steht er aber geläutert als größter der Väter da und weist in die Zukunft der Seinen. Unter Moses werden sie in der Nacht dem Lichte der Freiheit und des gesetzlichen Wandels entgegengeführt, der Familienbund wird zum Volksbunde, ein Zelt, wie bei den Stammvätern, geleitet sie durch die Wüste, davor ein Altar, vor dem Vorhänge das vielsagende Licht und dahinter die Tafeln und das Gesetzbuch. Noch der spätere Tempel mußte die gleiche Form haben und durfte die. Erinnerung an den Lichtplan des Schöpfers nicht vermissen lassen. Die Bibel hat bei der Größe dieses göttlichen Planes nicht nöthig, ihren Helden die menschlichen Schwächen, ja, die Laster zu nehmen, Menschen sind und bleiben die Werkzeuge dieses Planes, Tempel, König- und Priesterthum stürzt, und das Licht dieser Lehre wird gerettet, um in weitestem Sinne in der Menschheit zu wirken.

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