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Im deutschen Reich · 1896-03-01 · Heft 3 (März 1896) · p. 136

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 3 (März 1896)
Article
Herder und die Bibel
Date
1896-03-01
Page
136 (sequence 3)
Language
German
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136 Im deutschen Reich. alle diese sollten Gottesdiener und ihre Bücher göttliche Schriften sein? Herder unternahm es nun, der Bibel nach allen Seiten ihr Recht zu verschaffen. Im ersten Theil seines genannten Werkes benutzt er dazu sehr glücklich die Gesprächsform: Der Gegner der Bibel wird von ihrem Verehrer zur gleichen Bewunderung der Schrift hingeriffen. Jener weiß außer den oben angedeuteten Vorwürfen nicht genug gegen die Sonderbarkeiten der hebräischen Sprachlehre, gegen die Aermlichkeit der hebräischen Sprache und ihres Satzbaues anzuführen, sie sei alles Andere eher, als für die Dichtung geeignet. Der Freund beweist ihm das Gegentheil. Indem die hebräische Sprache unsere Satzgefüge verschmäht, kommen die anschaulichen Eindrücke Schlag auf Schlag an den Hörer heran, ohne durch schwächliche Bindewörter, wie „weil, als, jedoch" abgeblaßt zu erscheinen. Selbst die Dingwörter sind ihr Bewegung, lebendiges Bild, also das, was gerade die Dichtung beseelt. Einst muß sie ebenso reich an Worten gewesen sein, wie es die Verhältniffe des täglichen Lebens erfordern; uns ist in der Bibel nur das religiöse Schriftthum übriggcbliebcn, also auch nur der darin verwertete Wortschatz: Wie sollte man da die Sprache wortarm nennen? Beide Freunde machen einen Morgenspaziergang. Zuerst ist Alles dunkel, dann kommt von Osten das Licht; es wird der Horizont, die Scheide zwischen Himmel und Erde, es werden die Flüffe sichtbar, die Umrisse der Bäume, die Heerden, endlich Städte und Dörfer und Menschen selbst: da haben Beide das Bild der Schöpfung vor sich, mit deren Darstellung die Thora beginnt. Herder hat die Wichtigkeit derselben für die ganze Bibel nur angedeutet: Licht soll es werden, von Osten soll es kommen und durch den Menschen als Strahl der Erkenntniß und der Gesittung immer weiter nach Westen getragen werden. Daher finden wir dies Eden im Osten, die Arche auf Ararat, den Thurmbau in Sinear, Abraham wandert nach dem Westlande Kanaan und von dort weiter nach dem westlicheren Nillande hin: Schon dort sieht man den Zug des Lichts nach Westen. Der Rausch des Noah ist verzeihlich, weil er den Wein noch nicht gekannt; der Spott des Ham ist nach damaligen Verhält-

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