Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Die Staatsverfassung der Juden [Rezension]
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 121 (sequence 4)
- Language
- German
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Bücherschau. m Ich habe bei diesem Punkte, Verhältniß der Juden zu Andersgläubigen und Fremden, etwas ausführlicher verweilt, weil ja gerade hier immer wieder Vorwürfe und Angriffe erfolgen, weil selbst Gebildete nach den Phrasen, die sie täglich zu hören bekommen, wirklich glauben, das Judenthum sei eine Religion des Haffes und der Rachsucht. Hier hören wir einen theologischen Fachmann als Zeugen, der, so wenig er ein Freund der jetzigen Juden und des rabbinischen Judenthums ist, wie er es sich denkt, doch wenigstens der Religion deS Judenthums, wie sie im Alten Testament niedergelegt ist, Gerechtigkeit widerfahren läßt. In der Rückkehr zu diesen Grundsätzen sieht er heute das einzige Heil für eine Partei, die in Wahrheit christlich wirken will. „Der Geist, der in jenen Einrichtungen lebendig war, ist auch heute noch lebendig und wenn auch in anderen Formen, wird und soll er dasselbe Leben schaffen" (S. 122) oder „Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung, das ist keine spezifisch neutestamentliche Lehre, sondern das A und O der ganzen heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments und steht durchaus nicht im Widerspruch mit dem im Alten Testament enthaltenen Rechtsgrundsatz: Aug' um Aug', Zahn um Zahn." Lesenswerth ist auch das Kapitel über die Feste. Daß der Geist des Judenthums durchaus nicht ein ernster und finsterer oder gar asketischer war, sondern Freude und Lust am Leben gefordert und gefördert hat, wird mit unzähligen Stellen bewiesen, in denen geboten ist: Du sollst froh sein vor dem Herrn, Deinem Gotte. Eine besonders eingehende Besprechung erfahren die drei Wallfahrtsseste und die Bedeutung, die sie für das politische und soziale Leben des Volkes, für die Erhaltung der Einheitlichkeit und Eintracht der Stämme hatten. — Die Propheten, denen ein besonderes Kapitel gewidmet ist, werden nicht, wie es von christlicher Seite so häufig geschieht, nur als Vorboten und Verkünder des Messias Jesus Christus angesehen, sondern sie werden geschildert als das, was sie waren, als „Mund des Volkes im Namen Jehovah's", als die Vorkämpfer des Monotheismus und seiner Sittengesetze gegen Könige und Priester, gegen Fürsten und Volk. Vergleiche ihrer Freimüthigkeit und Unerschrockenheit mit der Rede- und Lehrfreiheit der Gegenwart rücken ihre Größe in das rechte Licht. Die Hervorhebung dieser Einzelheiten möge genügen, recht vielen Juden und Christen Anregung zu geben, das Buch selbst zu studiren. Mancher wird mit Ueberraschung erkennen, wie viele politische und soziale Fragen der Gegenwart in der uralten mosaischen Gesetzgebung bereits gelöst waren, und auch die, denen das Buch sachlich nichts Neues bietet, werden mit Interesse verfolgen, wie die mosaische Gesetz-