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Im deutschen Reich · 1896-02-01 · Heft 2 (Februar 1896) · p. 106

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 2 (Februar 1896)
Article
Umschau
Date
1896-02-01
Page
106 (sequence 5)
Language
German
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106 3m deutschen Reich. der antisemitischen Organe. So schrieb da- „Badische Volksblatt" am 6. Februar: „Lassen wir uns nicht durch gelegentliche antisemitische Anwandlungen der Centrumspresse fangen: Das Centrum ist uns durch und durch grundsätzlich und unabänderlich Feind. Seine Führer wissen wohl, daß wir niemals für die erstrebte Priester- Herrschaft zu haben sind und daß wir uns niemals zu so ausschließenden, selbstgerechten Grundsätzen bekennen können, wie die katholische Kirche sie heute vertritt." Zum Glück hat in Baden, wo dieses Hetzblättchen erscheint, die Regierung das vollste Verständniß für die Gefährlichkeit jener Bestrebungen, welche derartig den Frieden zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen stören. Wiederholt hat in neuester Zeit im badischen Landtage der Minister Eisenlohr von den „verderblichen Zielen des Antisemitismus" gesprochen und den einzigen Vertreter der Reformpartei, Abg. Pfister, über die Verwerflichkeit der Ziele dieser Partei so gründlich aufgeklärt, daß der nicht sehr schlagfertige Abgeordnete völlig fassungslos unter allgemeiner Heiterkeit versicherte, er sei ja für Fürst und Vaterland und wolle nur weniger Steuern. Im Deutschen Reichstage haben die Abgeordneten der deutschsozialen Resormpartei jeden Anlaß benutzt, um zum Fenster hinaus zu reden. Als bei der Berathung des Rickert'schen Wahlgesetz- Abänderungs-Antrages Graf zu Limburg-Stirum das Gebühren der antisemitischen Agitatoren im Kreise Oels-Wartenberg kennzeichnete, nahm der Abg. Bindewald jene Agitatoren in Schutz und meinte, es ehre dieselben, daß ihre Vorfahren dem ehrbaren arbeitenden Bürgerstande und nicht dem Strauchritterthum entstammten. Den adligen Bundesgenossen der deutsch - sozialen Reformer, Freiherrn von Langen, muß dieser Ausfall seltsam berührt haben. Immerhin hat er ihn nicht verhindert, in der Petiüonskommission des Reichstages den Antrag zu stellen, die antisemitische Petition, die staatliche Übersetzung des Schulchan-Aruch dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Da aber nur die Abgeordneten von Langen, von Dallwitz und Jakobskötter für diesen Antrag stimmten, wurde beschlosien, die Petition als zur Erörterung im Plenum ungeeignet zu erklären. Bei der Besprechung der Interpellation über die Verhältnisse der Arbeiter in der Wäsche-Fabrikation und der Konfeltionübranche hielt der Abg. Zimmermann eine Philippika gegen die jüdischen Arbeitgeber und erntete mit seinen durch keine Sachkenntniß getrübten Ausführungen den Beifall Derer, welche die wahren Ursachen der vorhandenen Uebelstände nicht kennen. Während die deutsch - soziale Reformpartei im Reichstage noch

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