Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 105 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 105 in Berlin abgehakenen Versammlung seiner Anhänger erklärte er endlich öffentlich, das Tischtuch zwischen den Christlich-Sozialen und den Konservativen sei zerschnitten. Die Veröffentlichung seines „Scheiterhaufen-Briefes" sei eine Gemeinheit gewesen. Die Angriffe seitens der „Kons. Korresp." hätten den Grund zur Mißstimmung gegeben, doch wünsche er nicht, als Opfer der Wirren zu gelten, die der Fall Hammerstein hervorgerufen. Auf die Leitung des „Volk" habe er keinen Einfluß. Herr Professor Adolf Wagner sprach schriftlich sein Bedauern aus, daß er gezwungen gewesen, dieser Versammlung fern zu bleiben, weil es Gepflogenheit der Universitäts-Rektoren wäre, so lange sie diese Würde bekleideten, politische Versammlungen nicht zu besuchen. Er billige aber die Trennung Stöckers von der konservativen Partei, die nur früher schon hätte erfolgen sollen. Am 26. d. M. wird in Berlin ein christlich-sozialer Parteitag abgehalten werden. Das „Volk" bestätigt die Richtigkeit der von mehreren anderen Blättern gebrachten Nachricht, daß der Kaiser die konservative Parteileitung aus Anlaß der Ausscheidung Stockerls beglückwünschte. Am befremdlichsten erscheint die Beurtheilung, welche der Ausschluß Stöcker's aus der konservativen Partei in dem Eentrumsblatt „Germania" erführt. Dasselbe schreibt: „Was diese Kreise zum Nachdenken anregen müßte, ist der Umstand, daß die jüdisch-liberale Presse darüber ein Freudengeheul anstimmt und Jubals Harfentöne mit Mirjams süßem Klang als Siegeshymne erschallen läßt. Wir sind diesen Klängen unzugänglich. Herr Stöcker ist niemals unser Freund, vielmehr unser erbitterter Gegner, namentlich in konfessioneller Beziehung, gewesen, während wir in christlich-sozialer Beziehung, auf dem Boden des Arbeiterschutzes und der Fürsorge für das Handwerk und die produzirenden Klassen, manche Berührungspunkte mit ihm gefunden haben." Daß auch das Vorurtheil gegen die Juden einen solchen Berührungspunkt bildete, zeigte das seltsame Referat, welches das Eentrumsblatt über einen kürzlich im Central-Verein gehaltenen Vortrag brachte, der in dieser mißverständlichen Darstellung einen eigenthümlichen Eindruck machen mußte. Die „Germania" beweist auch durch die Phantasie über das angeblich angestellte „Freudengeheul", wie mangelhaft ihre Kenntniß der maßgebenden jüdischen Kreise ist; sie weiß auch nicht, daß die hervorragendsten jüdischen Parteimänner sich niemals für den „Kulturkampf" begeisterten, vielmehr aus den für eine Minorität naheliegenden Gründen sich stets gegen Ausnahmegesetze erklärten. Was die Hintermänner der „Germania" von den Antisemiten zu erwarten haben, lehren zahllose Auslassungen