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Im deutschen Reich · 1896-02-01 · Heft 2 (Februar 1896) · p. 104

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 2 (Februar 1896)
Article
Umschau
Date
1896-02-01
Page
104 (sequence 3)
Language
German
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104 3m deutschen Reich. von Nathusius kurzweg als eine „oberflächliche". Nach einem sonderbaren Ueberblick über die Geschichte der Juden kommt er zu folgendem Schluß: „Die politische Emanzipation ist rückgängig zu machen. Gelingt dies nicht, so ist das ganze Gerede von christlicher Gesellschaftsordnung auf allen bezüglichen Punkten —ein Traum." Die befteKritik dieser Auslastungen liefert die „Staatsb. Ztg.", indem sie erklärt: „Nun, weiter als bis zu dieser Forderung gehen die Antisemiten auch nicht!" Das ganze Gerede ein Traum! Das sollte Herr von Nathusius schon jetzt einsehen„ statt jetzt noch für das einst von dem getauften Juden Stahl zu Neaktionszwecken ersonnene Prinzip des christlichen Staates einzutreten, nachdem bereits auf einem christlichen Kongreß von dem Leipziger KirchenrechtSlehrer, Geheimrath Professor Di'. Sohm, überzeugend nachgewiesen wurde, daß „es einen christlichen Staat nicht giebt". Das den städtischen Behörden zu Berlin zugegangene Rescript des Knltusministers über die Verwendung jüdischer Lehrkräfte an den Volksschulen enthält so einschneidende Bestimmungen, so bedeutende Einschränkungen der jüdischen Lehrkräfte, daß wir diese Frage noch als keine abgeschlossene betrachten können und uns Vorbehalten, in einer der nächsten Nummern dieser Zeitschrift auf diese Angelegenheit zurückzukommen. So lange noch von wissenschaftlichen Autoritäten die Judenfrage durch die gefärbte Brille der Stahl'schen Konvertiten-Theorie betrachtet wird, ist eine gedeihliche Lösung dieser Frage nicht zu erwarten. Selbst wenn diese schmerzliche Wahrnehmung nicht genügte, vorzeitige Hoffnungen auf bessere, lichtvollere Zeiten zu dämpfen, würden es die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens dennoch als ihrer unwürdig erachten, über die am I I. d. M. erfolgte Einlieferung des hervorragendsten Führers ihrer Gegner, des Fr ei Herrn von Hammerstein, in das Untersuchungsgefüngniß zu Moabit irgend welche Befriedigung kundzugeben. Ebenso läßt bei ihnen der durch den Elfer-Ausschuß der Konservativen erzwungene Austritt des ehemaligen Hofpredigers Stöcker aus der deutsch-konservativen Partei das Gefühl der Genugthuung nicht aufkommen. Von den Konservativen schrieb die „Magdeburger Zeitung": „Es wurde ihnen schwer, sich von Stöcker zu trennen, zumal dieser wie ein Aal allen Versuchen entging, ihn zu packen und zu einer unzweideutigen Erklärung zu veranlassen. Jetzt hat man endlich die Alternative gefunden: entweder Trennung von uns oder vom „Volk". Wenn Herr Stöcker auch noch die Zweideutigkeit fortsetzen möchte, die Logik der Thatsachen bringt Klarheit." In der am 7. Februar in der „Tonhalle"

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